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Freitag, 16. August 2013

Berliner Bilderbogen (Teil 3)

Noch mehr aus der Alten Nationalgalerie

Carl Spitzweg (1808 - 1885) 

Spitzweg war nie der große, technisch versierte Meister. Aber seine kleinen, lieblichen Geschichten sind immer noch unverändert populär. Bei Amazon werden alleine fünf verschiedene Kalender zum kommenden Jahr 2014 mit seinen Bildern gelistet. Mehrere Werke Spitzweg sind in der Nationalgalerie zu sehen, so auch die hier abgebildeten, kräftig die Tassen hebenden Feierbiester am Starnberger See.

Carl Spitzweg - Alte Schänke am Starnberger See (1865) - Öl auf Leinwand (32 x 54 cm)
Carl Spitzweg - Alte Schänke am Starnberger See (1865) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (32 x 54 cm)

Paul Baum (1859 - 1932)

Baum ist einer derjenigen Maler, die sich vom Paulus zum Saulus gewandelt haben. Seine frühen, der akademischen Tradition verpflichtenden Bilder zeugen von Können und Detailfreude. Den späteren, impressionistischen Werken fehlt jedoch der Atmen, der die Bilder zum Leben erweckt. Ganz anders das folgende Gemälde Baums. Hier riecht man die Luft nach einem Regenschauer und hört das Wasser plätschern. Auch wenn es im Atelier entstanden ist, kann es das Gefühl für Natur viel eher vermitteln, als viele der kunterbunten, impressionistischen Freiluftbilder.

Paul Baum - Nach dem Regen (1883) - Öl auf Holz (55,5 x 80,5 cm)

Karl Buchholz (1849 - 1889)

Die Weimarer Malerschule habe ich bisher nicht wahrgenommen. Ich wusste, dass sie für ihre Landschaften berühmt waren, aber ihre Gemälde sind mir noch nie über den Weg gelaufen. Aber ich gelobe Besserung und habe zur Vergebung meiner Sünden zwei Bücher über diese Maler bestellt. Dann werde ich erfahren, warum der talentierte Karl Buchholz mit 40 Jahren Selbstmord beging und wieso Paul Baum seinen Malstil änderte.
Buchholz Frühlingsbild ist atmosphärisch wunderbar gelungen und der stark V-förmige (die Verlängerung der beiden Dächer links und rechts in Richtung Weg) Bildaufbau nicht jeden Tag bei einem Landschaftsbild zu sehen.

Warum das Werk laut Plakette im Museum Frühling auf dem Dorf heißt und um 1872 entstanden sein soll, ist mir schleierhaft. Eigentlich ist die Herkunft, wenn man den Angaben des Bildarchivs Foto Marburg glaubt, bestens dokumentiert.

Karl Buchholz - Frühling in Oberweimar (1868) - Öl auf Leinwand (60 x 49 cm)

Fritz von Uhde (1848 - 1911)

Die religiöse Malerei wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert in Deutschland vor allem von den Nazarenern bestimmt. Ihre Kunst war rein und erhaben. Für viele (ich zähle mich dazu) auch langweilig. Menschen, deren christlicher Glaube nicht so fest wie in früheren Jahrhunderten war, konnte man mit dieser abgehobenen Darstellung nicht packen. Kann die christliche Malerei nicht weltlicher werden? Wo sind die realen Menschen in all den Heiligenbildern? Diese Lücke füllte neben Eduard Gebhardt kein Maler so sehr wie Fritz von Uhde.

Auf dem Gemälde der Alten Nationalgalerie holt der Maler Jesus in das Hier und Jetzt (natürlich bezogen aufs Jahr 1885). Er ist überraschender Gast einer armen Handwerker-Familie, die gerade ihr "Komm, Herr Jesus" betete. Und siehe da, der Herr kam.
Fritz von Uhde - Das Tischgebet (1885) - Öl auf Leinwand (130 x 165 cm)
Fritz von Uhde - Das Tischgebet (1885) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (130 x 165 cm)

Fritz von Uhde - Das Tischgebet (1885) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (130 x 165 cm)

Fritz von Uhde - Das Tischgebet (1885) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (130 x 165 cm)

Max Liebermann (1847 - 1935)

Liebermanns Bilder sind mir oft zu unvollendet. Nicht, dass sie schlecht wären. Bei weitem nicht. Dafür ist er ein viel zu gut ausgebildeter Maler. Aber häufig würde ich mir mehr Schliff und ausgemalte Passagen wünschen.
Eines der Werke aus der Übergangszeit zum impressionistisch angehauchten Malstil ist das folgende Bild aus dem Jahre 1881. In früheren Zeiten wäre es als Studie (siehe zum Beispiel das als Farbskizze deklarierte Werk Anton von Werners zum Gastmahl der Familie Mosse, Teil 1 des Berliner Bilderbogens) angesehen worden, aber die Zeiten ändern sich.
Ich mag das Bild. Da verzeihe ich ihm auch die perspektivisch etwas missratene linke Bildhälfte in bester van Gogh-Tradition :-)

Max Liebermann - Schusterwerkstatt (1881) - Öl auf Holz (64 x 80 cm)

Max Liebermann - Schusterwerkstatt (1881) (Ausschnitt) - Öl auf Holz (64 x 80 cm)

Gustav Spangenberg (1821 - 1891)

Der Tod bekommt sie alle. Ob Jung, ob Alt, ob Arm oder Reich, Ritter oder Bischof. Die Glocke des Todes zieht jeden in ihren Bann. Wer jetzt noch verschont bleibt, wird beim nächsten Mal an der Reihe sein. Gerade verabschiedet sich ein zum Krieg ausziehender Landsknecht, um seinen ihm zugewiesenen Platz in der endlosen Schlange einzunehmen.
Gustav Spangenberg - Der Zug des Todes (1876) - Öl auf Leinwand (158 x 282 cm)
Gustav Spangenberg - Der Zug des Todes (1876) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (158 x 282 cm)
Gustav Spangenberg - Der Zug des Todes (1876) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (158 x 282 cm)

Franz von Lenbach (1836 - 1904)

Die Augen sind der Spiegel der Seele. Wer sie versteht, versteht den Menschen. Sie öffnen das Buch seiner Persönlichkeit.
Ein Maler, die dies sofort unterschrieben hätte, ist Franz von Lenbach. Denn in all seinen Porträts stehen die Augen im Mittelpunkt und ziehen den ganzen Fokus auf sich. Alles andere, außer dem Kopf selber, ist meist nur angedeutet gemalt.

Im Gegensatz dazu steht das im Teil 2 zu sehende Porträt von Leon Pohle, Bildnis des Malers Ludwig Richter . Dort wird der Mensch in einer für ihn wichtigen Umgebung gezeigt. Solch stilllebenartige Details sind in Lenbachs Porträts nie zu finden. Der Hintergrund ist immer einfarbig und lenkt die ganze Aufmerksamkeit auf den Gesichtsausdruck der Person.
Franz von Lenbach - Bildnis Otto von Bismarck (1884) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand - (124,5 x 89,5 cm)
Franz von Lenbach - Bildnis Otto von Bismarck (1884) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand - (124,5 x 89,5 cm)
Franz von Lenbach - Bildnis Richard Wagner (vor 1895) (Ausschnitt) - Öl auf Holz - (71,5 x 55,5 cm)

Sonntag, 7. November 2010

Dortmund: Museum für Kunst und Kulturgeschichte

In der Dortmunder Innenstadt ist eine der größten Einkaufstrassen in ganz NRW zu finden. Geschäft reiht sich an Geschäft und die shoppingbegeisterte Ehefrau ist kurz vorm Einkaufswahn. Doch wohin flüchten? Wer bietet dem Verirrten eine ruhige Zuflucht, um dem wilden Gedränge und Geschiebe zu entkommen. Kirchen sind hierfür wahrlich nicht schlecht, aber für längere Aufenthalte meist zu kalt. Für uns Kunstinteressierte gibt es zum Glück noch eine andere wunderbare Möglichkeit.

Das Museum. Glücklicherweise ist ein paar Schritte von der Einkaufshektik entfernt das Museum für Kunst und Kulturgeschichte zu finden. Man tritt ein und siehe da, Ruhe. Endlich. Ein paar der dort angestellten Damen unterhalten sich leise. Das war's. Ansonsten fast keine Besucher. Eben das typische Bild eines Museum, welches nicht zu den bekannten Anlaufstellen wie die Nationalgalerien in Berlin, Pinakotheken in München oder das Ludwigforum in Köln gehört. Mit kreativem Rahmenprogramm wie Kindergeburtstage, Hochzeiten oder ähnliches wird versucht, weitere Zielgruppen ins Museum zu 'locken'.

Locken musste mich niemand. Mein Begehr war einfacherer Art, nämlich nochmals die kleine aber feine Gemäldesammlung des 19. Jahrhunderts zu betrachten. Diesmal mit Kamera und Stativ ausgerüstet. Einem leider etwas zu kleinem Stativ. Nahaufnahmen waren deshalb nicht möglich. Aber besser als gar nichts.

Die Homepage des Museums geizt, mir unverständlich, mit Bildern ihrer Sammlung. Es werden zwar die verschiedenen Abteilungen erwähnt, aber nicht mit den Geschmack auf das Original anregenden Fotos unterstrichen. Im Text werden fast beiläufig ein paar Namen (Friedrich, Clorinth, Slevogt) erwähnt, aber nur zwei kümmerliche Bilder sind auf der Homepage (siehe hier) zu finden.

Dabei hat das Museum doch einiges mehr zu bieten als den bekannten Caspar David Friedrich und das Dreigestirn des deutschen Impressionismus (Clorinth, Liebermann und Slevogt) mit ihren für meine Augen meist halbgaren Skizzen.

Nämlich akademische Meister der vordersten Reihe:

Balthasar Denner (1685-1749)
Balthasar Denner (1685-1749) - Bildnis einer alten Frau
Öl auf Leinwand

Beginnen möchte ich mit einem Falschparker. Jemand, der sich durch die Hintertür in die Sammlung geschlichen hat und zum Glück dort belassen wurde. Balthasar Denner. Der Meister ist nämlich über hundert Jahre vor dem 19. Jahrhundert geboren. Denner war zu seiner Zeit ein sehr gefragter Maler. Warum, ist offensichtlich. Seine bis ins kleinste Detail gehenden Bilder wirken auch nach mehr als 200 Jahren unglaublich lebendig und faszinierend. Seine Spezialität war wohl die Darstellung älterer, vom Leben gezeichneter Damen. So wie die hier Abgebildete.

Balthasar Denner (1685-1749) - Bildnis einer alten Frau
Ausschnitt

Ein sehr ähnliches Gemälde (Link) befindet sich zum Beispiel in der Eremitage in St. Petersburg. Qualitativ spielt das Dortmunder Bild (nicht mein Foto, da kommt es nicht ganz so rüber) fast in der gleichen Liga.

Carl Hasenpflug (1802-1858)

Carl Georg A. Hasenpflug (1802-1858) - Klosterruine im Schnee (1849)
Öl auf Leinwand

Als ich dieses Bild zum ersten Mal sah, dachte ich, es wäre ein Lessing. Dieses verlassene Kloster mit seiner Winterlandschaft ist doch zu typisch für Lessing gewesen. Aber es stammt von einem anderen Zeitgenossen der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert. Carl Hasenpflug. Dieser war vor allem für seine Architekturmalerei bekannt, wurde aber, wie Wikipedia lehrt, durch die Bekanntschaft mit dem vielleicht größten damals lebenden Deutschen Maler zu romantischeren Themen bekehrt. Durch genau jenen Carl Friedrich Lessing. Zum Glück, würde ich behaupten. Denn ansonsten würde dieses kleine Meisterwerk nicht entstanden sein.

Carl Georg A. Hasenpflug (1802-1858) - Klosterruine im Schnee (1849)
Ausschnitt

Anton von Werner (1843-1915)

Vom Großmeister aus Berlin sind zwei Bilder zu sehen. Eine kleine, einfach Studie eines Hausmädchens und ein als Geschenk für seine Frau gedachtes Gemälde ihrer ältesten (glaube ich auf jeden Fall aus dem Gedächtnis heraus) Tochter.

Anton von Werner (1843-1915) - Hausmädchen im Garten (Studie) (1898)
Öl auf Pappe

In der Studie hat von Werner mit wenigen, vollen Pinselstrichen (impressionistisch würde man heute sagen) die Kleidung gemalt und etwas detaillierter das Gesicht umgesetzt.

Anton von Werner (1843-1915) - Hausmädchen im Garten (Studie) (1898)
Ausschnitt

Nichts, was er je als eigenständig auszustellendes Bild gedacht hätte, aber wofür man als Museumsbesucher doch dankbar ist.

Anton von Werner (1843-1915) - Hausmädchen im Garten (Studie) (1898)
Ausschnitt

Viel vollendeter ist das Geschenk an seine Frau gemalt. Obwohl nur für den privaten Gebrauch gedacht, zeigt es den großen Könner.

Anton von Werner (1843-1915) - Tochter Hildegard (1893)
Öl auf Leinwand

Die melancholisch blickende Tochter (ungewöhnlich, man erwartet eher ein 'oberflächlich' lachendes Mädchen), mit dem halboffenen Buch in der einen, das Gesicht auf die andere Hand gestützt, scheint tief in Gedanken versunken.

Anton von Werner (1843-1915) - Tochter Hildegard (1893)
Ausschnitt

Für das plätschernde Bächlein oder das leuchtende Blattwerk scheint sie kein Auge zu haben. Ihre Gedanken sind gerade in einer ganz anderen Welt versunken. Wollen wir sie dort in Ruhe lassen und leise einen Schritt zurücktreten, um das Bild im Detail zu bewundern.

Anton von Werner (1843-1915) - Tochter Hildegard (1893)
Ausschnitt

Fantastisches Farbgefühl zeigt von Werner hier gepaart mit stofflicher Greifbarkeit. Das Moos auf den Steinen wirkt noch ganz feucht und der Schaum des herab fließenden Wasser scheint aus dem Bild zu rinnen.

Anton von Werner (1843-1915) - Tochter Hildegard (1893)
Ausschnitt

Dies ist hohe Kunst, mehr eben als ein 'gewöhnliches impressionistisches' Bild, welches meist ein paar nette Farben zu bieten hat aber nicht mehr.

Arthur Kampf (1864-1950)

Nebenan findet sich ein sehenswertes Gemälde von Kaiser Wilhelm I ( Wilhelm I auf dem Katafalk von 1888 - Öl auf Leinwand). Mal nicht gemalt von Anton von Werner, sondern von Arthur Kampf. Da der Maler noch keine 70 Jahre verstorben ist, kann ich dies hier leider nicht abbilden. Im Netz kursiert jedenfalls eine leicht andere Version dieses Gemälde von Kampf (siehe zum Beispiel hier), er scheint es also in mehreren Versionen gemalt zu haben.

Franz von Lenbach (1836-1904)

Franz von Lenbach - Bismarck - Ausschnitt

Von Lenbach darf natürlich auch kein Bild in einer Sammlung der bekannten Meister des 19. Jahrhunderts fehlen. Dortmund hat ein großes Bild Bismarcks aus Lenbachs Hand zu bieten. Bei einem Porträt von Lenbach bildet meist das Gesicht den Anziehungspunkt. So auch hier. Bismarck sitzt müde und kaputt in seinem Sessel. Er wirkt ausgelaugt und krank. Die Augen schauen einen fragend an, warum man ihn in seiner Ruhe stört. Das Foto ist leider leicht verschwommen und wird dem Gemälde nicht ganz gerecht.

Gotthardt Kuehl (1850-1915)

Gotthardt Kuehl (1850-1915) - In der Leihanstalt (um 1873)
Öl auf Leinwand

Eines der wenigen 'Problem'-Bilder der Dortmunder Sammlung ist das Gemälde des Dresdener Maler Gotthardt Kuehl. Geflüchtet von den Blicken Bismarcks bin ich in dieses Pfandhaus eingedrungen, dort, wo verzweifelte, meist ältere Damen ihr letztes Hab und Gut beleihen müssen. Diese Thematik war vor allem in der Mitte des 19. Jahrhundert häufig zu sehen. Einer der bekanntesten Maler solcher Szenen war Carl Wilhelm Hübner. Kuehls Szene wirkt weniger Bühnenhaft und insgesamt lebendiger als zum Beispiel Hübners ca. 30 Jahre vorher entstandenes Werk - Die Schlesischen Weber von 1844.


Konrad Dielitz (1845-1933)

Konrad Dielitz (1845-1933) - Porträt Julie Hiltrop (1797-1876) (1882)
Öl auf Leinwand

Über den Berliner Dielitz sind recht wenig Informationen im Netz zu finden. Er muss ein gefragter Porträtmaler gewesen sein, der sich jedoch auch dem völlig konträren Gebiet der historisch, mythologischen Welt widmete. Im Dortmunder Museum habe ich sein Gemälde eher zufällig gesichtet. Wollte die Sammlung schon verlassen, da sah ich hell erleuchtet in einem Ausstellungs-Wohnraum des 19. Jahrhundert sein Bild der Frau Hiltrop als Einrichtungsgegenstand hängen. Ich hoffe, dieses Foto bietet halbwegs einen Eindruck von der hohen Qualität der Malerei.

Anselm Feuerbach (1829-1880)

Von Feuerbach sind mir zwei Gemälde aufgefallen.

Anselm Feuerbach - Nanna Profil nach rechts (1862)
Öl auf Leinwand

Das Porträt seiner Nanna habe ich schon früher als Buch-Scann in einem anderen Bericht abgebildet. Hier also als eigenes Foto mit Rahmen.

Anselm Feuerbach (1829-1880) - Leontine(1851)
Öl auf Leinwand

Das andere ist eine sehr schöne Kopfstudie aus seiner Pariser Zeit. Faszinierend, wie gelungen das schwarze Haar der Frau gemalt ist. Mit ein paar 'einfachen' Strichen und ein wenig Weiß und Grau an den passenden Stellen glänzt das Haar und wirkt auch live sehr real. Meisterhaft gemalt.

Hans Makart (1840-1884)

Hans Makart (1840-1884) - Prachtpalast (1883)
Öl auf Tusche und Leinwand

Der Wiener Malerfürst gibt sich auch in Dortmund die Ehre. Nicht mit einem für ihn typischen Werk, sondern mit einer Phantasiearchitektur, welche er ein Jahr vor seinem frühzeitigen Tod gemalt hat. Dieses Architekturbild ist eines von vier zusammengehörenden Bildern, welche Makart ohne konkreten Anlass gemalt hat.

Hans Makart (1840-1884) - Prachtpalast (1883)
Ausschnitt

Laut Informationstafel wurden
Die Entwürfe wurden zusammen 1883 im Pariser Salon und noch im selben Jahr im Münchner Glaspalast ausgestellt.
Der hier abgebildete imposante Aufriss ist schätzungsweise 4 Meter breit (leider sind in Dortmund keine Größenangaben auf den Begleitplaketten angegeben) und nimmt eine ganze Wandseite ein. Teilweise kommt noch die Unterzeichnung auf dem Bild hervor.

Hans Makart (1840-1884) - Prachtpalast (1883)
Ausschnitt

Ich habe noch nicht viele farbige Architekturzeichnungen gesehen, aber diese dürfte von 1A Qualität sein. Die Gegenstücke sind glaube ich auf artrenewal.org abgebildet, siehe hier.

Walter Leistikow (1865-1908)

Walter Leistikow (1865-1908) - Breege auf Rügen (1908)
Öl auf Leinwand

Die Überraschung dieser Ausstellung ist für mich das Gemälde von Leistikow. Normalerweise gefallen mir, wie schon oft erwähnt, Impressionisten nicht besonders. Ich erhoffe mir meist, dass der Maler mal nicht, wie Adolf Menzel (ach ja, von ihm gibt es ein Bild mit kaum noch erkennbaren, fast schwarzen Inhalt - wird wohl nur für die Statistik, dass er auch in Dortmund vertreten ist, ausgestellt sein) es formuliert hat, zu faul war, sondern den ersten Eindruck weiter veredelt. So wie das oben beschriebenen Gemälde von Anton von Werner.
Eines der wenigen 'impressionistischen' Bilder (und ich habe von allen bekannten Impressionisten Bilder live und in Farbe gesehen), bei dem mir nichts fehlt, ist dieses Gemälde von Leistikow.

Walter Leistikow (1865-1908) - Breege auf Rügen (1908)
Ausschnitt

Der leuchtend weiße (auf dem Foto zu dunkel), grob aufgetragene Himmel ist der Anziehungspunkt dieses Bildes. Er glänzt schon von weiter Entfernung zum Bild und zieht einen magisch an. Geschickt sind weitere Weißtöne auf dem Bild verteilt und geben dem ganzen einen harmonischen Eindruck, der durch die kräftig dunkelgrüne Wiese abgerundet wird.

Andreas Achenbach (1815-1910)

Andreas Achenbach (1815-1910) - Nordisches Gebirge im Winter (Felsenlandschaft) (1838)
Öl auf Leinwand

Zuletzt das meiner Meinung nach beste Bild der ganzen Sammlung. Man wird durch die Raumaufteilung in einen neuen Bereich gelenkt und fühlt sich plötzlich in eine raue, von mächtigen Bergen gesäumte Landschaft Skandinaviens versetzt. Die Bergkette ist noch Nebelverhangen. Kein Zeichen von Zivilisation weit und breit. Nur zwei Greifvögeln scheinen in dieser unwirtlichen Gegend zu Hause zu sein.

Andreas Achenbach (1815-1910) - Nordisches Gebirge im Winter (Felsenlandschaft) (1838)
Ausschnitt

Ich war direkt begeistert von dem Gemälde und leicht überrascht zu lesen, dass es von Andreas Achenbach war. Nicht überrascht wegen der Qualität, sondern wegen der Größe. Ich hatte nämlich bisher nur kleinere Gemälde Achenbachs gesehen, dies ist das erste monumentalere Bild, ich schätze 2 mal 3 Meter groß. Von feinen Details wie den Eiszapfen unten auf dem großen Felsen, den unterschiedlichen Herbstfarben
bis zu den fantastisch gemalten Nebel des Hintergrunds bietet dieses Gemälde alles, was man von einem reinen Landschaftsbild nur erhoffen kann.

Andreas Achenbach (1815-1910) - Nordisches Gebirge im Winter (Felsenlandschaft) (1838)
Ausschnitt

Andreas Achenbach (1815-1910) - Nordisches Gebirge im Winter (Felsenlandschaft) (1838)
Ausschnitt

Ein Meisterwerk des damals erst 23 Jahre alten Andreas Achenbach.

Andreas Achenbach (1815-1910) - Nordisches Gebirge im Winter (Felsenlandschaft) (1838)
Ausschnitt

Donnerstag, 3. September 2009

Lernen von den Alten (Lenbachs Credo)


Bewunderter Malerfürst



Franz von Lenbach - Selbstporträt (um 1900)
Öl auf Leinwand

Franz von Lenbach - Tochter Gabriele (um 1901)
Öl auf Pappe (77 x 62,5 cm)

Franz von Lenbach war der gefragteste deutsche Porträtmaler seiner Zeit. Alle, die Rang und Namen hatten, ließen sich von ihm porträtieren. Sein Lieblingsopfer war Otto von Bismarck, den er über 80 Mal auf die Leinwand zauberte.

August Macke - Franz Mark (1910)
Öl auf Pappe (50 × 39 cm)

Franz von Lenbach - Fürst von Bismarck

Die Stärke Lenbachs lag, wie viele Zeitgenossen behaupten, in der Erfassung des Wesens seines Gegenüber. Und dies suchte er im Gesicht. Nur die Augen waren bis ins Detail ausgemalt, alles andere ließ er verschwommen angedeutet oder stellte es gar nicht dar.

Ratschläge des Meisters


Er galt als der vielleicht größte Kenner altmeisterlicher Techniken und sein Urteil über die neu aufkommenden Kunstströmungen seiner Zeit war vernichtend.

Marianne von Werefkin - Selbstbildnis (um 1910)

Franz von Lenbach - Mädchenporträt
Pastell auf Pappe (69,2 x 45,7 cm)

Dies ist auch der Grund für das folgende lange Zitat, in dem sein künstlerisches Credo in Auszügen wiedergeben ist. Dieses Zitat ist unter anderem in der Zeitschrift Die Kunst: Monatsheft für freie und angewandte Kunst - Band 8 im Jahre 1903 veröffentlicht (siehe hier), dessen Herausgeber Friedrich Pecht ihn für den besten deutschen Maler des 19. Jahrhundert hielt.


Ernst Ludwig Kirchner - Portrait Alfred Döblin (1912)
Öl auf Leinwand (50,8 x 41,3 cm)


Franz von Lenbach - Theodor Mommsen (1898)

Hier also die Meinung Lenbachs zu dem um die Jahrhundertwende immer mehr an Bedeutung gewinnenden dilettantischen Realismus und Expressionismus, der noch in unserer Zeit, im Gegensatz zu den Meistern des 19. Jahrhunderts, hoch geschätzt wird.


Otto Mueller - Selbstporträt
Tempera auf Leinwand (66 x 47.9 cm)

Franz von Lenbach - Bildnis Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1896)

Ich glaube nicht, daß irgend eine Epoche der ruhigen zielbewußten Entwicklung begabter Maler so ungünstig gewesen ist, als die unsrige.
Die fortlaufende Tradition ist jählings unterbrochen. -- Der erste beste Anfänger hält es für das einzig Richtige, direkt an die Natur zu gehen, und sich von den „längst überwundenen Standpunkten" seiner Vorgänger tunlichst frei zu machen.

Wer keck genug ist, ohne Wahl und Geschmack sein Selbstgeschautes, wenn auch in abschreckender Weise, auf Leinwand zu bringen, der bildet sich ein, er habe die Kunst erfunden.
Auf keinem anderen Gebiete als leider dem künstlerischen wäre es denkbar,
daß der junge Nachwuchs die Erfahrungen der Generationen von früheren einfach mißachtete und dekretierte: „Mit mir fängt die Entwicklung von vorne an." --
Wenigstens würde es recht merkwürdige Folgen haben, wenn in Sachen der Wissenschaft oder Industrie jemand sich aus Selbständigkeitswahn nicht mehr der schon gewonnenen Vorteile bedienen und die Grundlagen des Handwerks so außer Augen setzen wollte, wie es in Bezug auf unsere Kunstmittel geschieht.
Sich gründliche Kenntnis der Maltechnik zu verschaffen, gilt als veraltet und ganz überlebt -- und doch waren gerade die geistigsten, im höchsten Sinne künstlerisch begabten alten Meister am eifrigsten auf Vervollkommnung der Technik bedacht; aber sie wurden eben gewissermaßen schon in dem Wasser geboren, darin sie künftig schwimmen sollten, während sich heutzutage jeder das Wasser, das sein Lebenselement werden soll, erst mühsam selbst herbeischleppen muß. Beim Hinblick auf unsere heutige „originelle" Kunstjugend muß ich bisweilen an Goethes Verse denken:

Ein Quidam sagt, ich bin von keiner Schule,
Kein Meister lebt, mit dem ich buhle;
Auch bin ich weit davon entfernt,
Daß ich von Toten was gelernt. --
Das heißt, wenn ich ihn recht verstand:
Ich bin ein Narr auf eigne Hand! --

Jedenfalls ist die jetzige Methode, nach welcher es nur noch Meister und keine Lehrlinge mehr gibt, sehr kraft- und zeitraubend, da der einzelne nicht mehr durch die Erfahrungen seiner Vorfahren, sondern, wenn überhaupt, erst durch eigenen Schaden klug wird.

....

Was jene geleistet -- meint man -- möchte für ihre Zeit ganz löblich gewesen sein -- , sie aber, die Kinder der neuesten Zeit, dürften nicht rückwärts schauen, nichts von den Alten lernen, nicht einmal die Mittel von ihnen annehmen, mit welchen jene Großen ihre unvergänglichen Wirkungen erzielt haben. Denn sie bilden sich ein: wenn sie sich an der Hand der bewunderten Meister leiten ließen, den Weg zu Wahrheit und Natur nicht zu finden, der doch nicht zu verfehlen sei, wenn man nur den Mut habe, mit Scheuklappen gegen fremde Eindrücke vor den Augen, der eigenen werten Nase nachzugehen. Nur Neues, nie Dagewesenes muß probiert, Sensation muß gemacht werden.

100 Jahre nichts geändert


Es hat sich jedoch seit über hundert Jahren nichts an der Situation geändert. Wer die Informationsbroschüre beispielsweise der Düsseldorfer Kunstakademie liest, kann hier nur mit Unverständnis den Kopf schütteln. Arme Studierende fällt mir dazu nur ein.

Denn Kunst kommt von Können, auch wenn alle Kunstakademien in Deutschland dies aufgrund mangelnder Alternativen gerne anders verkaufen.

Wer's glaubt wird vielleicht selig, aber den Malerfürst Franz von Lenbach würden sie auch heute nicht davon überzeugen!

Franz von Lenbach - Clara Schumann (1878-79)
Pastell