Montag, 26. August 2013

Berliner Bilderbogen (Teil 8)

Deutsche Historische Museum

Thema: Krieg

Kriege haben zur Entstehung des Deutschen Reiches geführt und Kriege habe sein Ende besiegelt. Kriege wurden glorifiziert. Eine kritische Haltung gab es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts kaum. Jedes Kindes konnte damals gebetsmühlenartig die Daten der Befreiungs- und Einigungskriege aufsagen.

Bilder dieser Schlachten sind natürlich auch im Deutschen Historischen Museum ausgestellt.

Johann Peter Krafft (1780 - 1856)

Kraffts Gemälde behandelt den Moment der Siegesverkündung durch Fürst Schwarzenberg nach der Völkerschlacht bei Leipzig, 1813.  Die verbündeten Monarchen (Zar Alexander I, Kaiser Franz II und König Friedrich Wilhelm III) nehmen stehend die Botschaft in Empfang.

Das Bild im DHM ist eine 'kleine' Kopie des 1817 geschaffenen Gemäldes für den Ehrensaal des Militär-Invalidenhauses in Wien. Heute ist das Original im Herresgeschichtlichen Museum in Wien (Wikipedia-Foto) zu sehen. Die beiden Versionen sind fast identisch und unterscheiden sich nur durch unwesentliche Details im Vordergrund.

Johann Peter Krafft - Siegesmeldung nach der Schlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1813 (1839) - Öl auf Leinwand (192 x 268 cm)
Johann Peter Krafft - Siegesmeldung nach der Schlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1813 (1839) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (192 x 268 cm)
Johann Peter Krafft - Siegesmeldung nach der Schlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1813 (1839) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (192 x 268 cm)
Johann Peter Krafft - Siegesmeldung nach der Schlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1813 (1839) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (192 x 268 cm)

Rudolf Eichtstaedt (1857 - 1924)

Der Sieger eines Kriegs nimmt, der Verlierer muss geben. So war es schon immer. Mal mehr, mal weniger. Kunstwerke standen hierbei besonders gerne im Visier der siegreichen Machthaber. Die Praxis des Kunstraubes wurde erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts geächtet. Nicht immer mit Erfolg, wie die Geschichte des 2. Weltkrieges zeigte.

Auf Anweisung Napoleons plünderten seine siegreichen Truppen systematisch Kunstschätze der eroberten Gebiete. So kam auch die Quadriga 1806 von Berlin nach Paris. Doch, wie die Geschichte eben so spielt, wechseln Gewinner und Verlierer schneller ab, als es der einen Hälfte lieb ist. Und so fand im großen Triumphzug 1814 die Quadriga wieder ihren Platz in Berlin.

Rudolf Eichstaedt - Die Rückkehr der Quadriga vom Brandenburger Tor (1896) - Öl auf Leinwand (190 x 290 cm)
Rudolf Eichstaedt - Die Rückkehr der Quadriga vom Brandenburger Tor (1896) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (190 x 290 cm)
Rudolf Eichstaedt - Die Rückkehr der Quadriga vom Brandenburger Tor (1896) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (190 x 290 cm)
Rudolf Eichstaedt - Die Rückkehr der Quadriga vom Brandenburger Tor (1896) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (190 x 290 cm)
Rudolf Eichstaedt - Die Rückkehr der Quadriga vom Brandenburger Tor (1896) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (190 x 290 cm)

 Wilhelm Camphausen (1818 - 1885)

Camphausen, der als Maler Teil der preußischen Armee im Krieg gegen Dänemark 1864 war, stellt hier den Höhepunkt der Schlacht dar. Die Preußen stürmen die gegnerischen Schanzen bei Alsen und erringen einen kriegsentscheidenden Sieg.

Wilhelm Camphausen - Die Erstürmung der Insel Alsen durch die Preußen (1866) - Öl auf Leinwand (165 x 284 cm)
Wilhelm Camphausen - Die Erstürmung der Insel Alsen durch die Preußen (1866) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (165 x 284 cm)
Wilhelm Camphausen - Die Erstürmung der Insel Alsen durch die Preußen (1866) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (165 x 284 cm)
Wilhelm Camphausen - Die Erstürmung der Insel Alsen durch die Preußen (1866) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (165 x 284 cm)

Georg Bleibtreu (1828 - 1892)

Der Bruderkrieg Preußen gegen Österreich aus dem Jahr 1866 darf in der Sammlung nicht fehlen. Bleibtreu nahm als Armeemaler am Feldzug teil. Das Gemälde beschreibt den Augenblick der Entscheidungsschlacht bei Königgrätz, an dem die Siegesmedaille endgültig Richtung Preußen kippt. Deren militärische Führer (König Wilhelm, Bismarck, Roon und Moltke) überblicken selbstbewusst das Kampfgeschehen.

Georg Bleibtreu - Die Schlacht von Königgrätz (um 1868) - Öl auf Leinwand (100 x 200 cm)
Georg Bleibtreu - Die Schlacht von Königgrätz (um 1868) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (100 x 200 cm)
Georg Bleibtreu - Die Schlacht von Königgrätz (um 1868) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (100 x 200 cm)

Georg Schöbel (1860 - um 1930)

Den Maler Schöbel kannte ich bisher nicht. Seine Gemälde sind jedoch von hoher Qualität und gehören zu den Besten der gesamten Sammlung. Die beiden Bilder sind noch während des 1. Weltkrieges entstanden, zu Propagandazwecken in der Heimat. Im Gegensatz dazu sind die Kriegsbilder Anton von Werners zum Beispiel meist viele Jahre nach den Ereignissen gemalt, zur Verherrlichung vergangener Taten.

Im ersten Gemälde nimmt Kaiser Wilhelm II eine Parade an der Front ab. Hierbei werden an einem kalten Herbsttag des Jahres 1914 auch französische Kriegsgefangene vorgeführt. Man mag inhaltlich solch einem Bildthema ablehnend gegenüberstehen. Aber an der hochwertigen Umsetzung solch einer Massenszene gibt es keinen Zweifel.

Georg Schöbel - Gefangenenzug vor Wilhelm II (1915) - Öl auf Leinwand (94 x 146 cm)
Georg Schöbel - Gefangenenzug vor Wilhelm II (1915) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (94 x 146 cm)
Georg Schöbel - Gefangenenzug vor Wilhelm II (1915) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (94 x 146 cm)
Georg Schöbel - Gefangenenzug vor Wilhelm II (1915) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (94 x 146 cm)
Georg Schöbel - Gefangenenzug vor Wilhelm II (1915) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (94 x 146 cm)
Georg Schöbel - Gefangenenzug vor Wilhelm II (1915) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (94 x 146 cm)

Das zweite Gemälde zeigt einen Stellungskampf, wie ich ihn in dieser Intensität selten auf einem Kunstwerk gesehen habe. Die Komposition und technische Umsetzung sind meisterhaft. Der Betrachter wird ins Geschehen gezogen und spürt die Energie und Gewalt solch eines Augenblicks. Er kann jedoch, im Gegensatz zu den Protagonisten, aus der grauenhaften Lage ins ruhige Hier und Jetzt flüchten.
Gesegnet sind unsere Friedenszeiten. Den meisten unserer Vorfahren war dies nicht vergönnt.

Georg Schöbel - Erstürmung der Höhe 285 - Argonnen am 13 Juli 1915 (1915) - Öl auf Karton (79 x 123,5 cm)
Georg Schöbel - Erstürmung der Höhe 285 - Argonnen am 13 Juli 1915 (1915) (Ausschnitt) - Öl auf Karton (79 x 123,5 cm)
Georg Schöbel - Erstürmung der Höhe 285 - Argonnen am 13 Juli 1915 (1915) (Ausschnitt) - Öl auf Karton (79 x 123,5 cm)
Georg Schöbel - Erstürmung der Höhe 285 - Argonnen am 13 Juli 1915 (1915) (Ausschnitt) - Öl auf Karton (79 x 123,5 cm)
Georg Schöbel - Erstürmung der Höhe 285 - Argonnen am 13 Juli 1915 (1915) (Ausschnitt) - Öl auf Karton (79 x 123,5 cm)
Georg Schöbel - Erstürmung der Höhe 285 - Argonnen am 13 Juli 1915 (1915) (Ausschnitt) - Öl auf Karton (79 x 123,5 cm)

Kommentare:

  1. Vielen Dank für die Erklärungen zu den Gemälden. Besonders die "Siegesmeldung" von J. P Krafft. Ich habe mir das Bild heruntergeladen, um es als "Desktop" zu verwendung, fragte mich aber immer, werden wohl die drei stehenden Personen sein mögen. Nun weiss ich es. Vielen Dank.

    Viele Grüsse aus Frankreich
    Georg Hausherr

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  2. Ich freue mich auch immer wieder, wie schnell man mit Hilfe der Suchmaschinen Informationen finden kann. Für Menschen wie mich, mit bescheidenem Gedächtnis, eine wunderbare Sache :-)

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