Sonntag, 25. August 2013

Berliner Bilderbogen (Teil 7)

Deutsche Historische Museum

Thema: Soziale Frage

Die sozialen Probleme im 19. Jahrhundert werden in der Ausstellung ausführlich beschrieben. Hunger, Arbeitslosigkeit, katastrophale Arbeitsbedingungen oder mangelnde Fürsorge sind mittels verschiedener Gemälde anschaulich dargestellt.

Robert Warthmüller (1859 - 1895)

Armut und Elend waren auch zu Zeiten Friedrich des Großen weit verbreitet. Der beliebte König ordnete als eine Maßnahme gegen den Hunger an, die nahrhafte Kartoffel überall im Lande anzubauen. Seine Inspektionsreise zur Kontrolle und Ermutigung der Bauern ist auf dem bekannten Gemälde Warthmüllers abgebildet.

Robert Warthmüller - Der König überall (1886) - Öl auf Leinwand (105,5 x 182 cm)
Robert Warthmüller - Der König überall (1886) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (105,5 x 182 cm)
Robert Warthmüller - Der König überall (1886) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (105,5 x 182 cm)

Carl Henrik D'Unker

Düsseldorf war in der Mitte des 19. Jahrhundert eine Hochburg der Malerei. Schüler aus aller Welt wollten an dieser prestigeträchtigen Kunstschule ihr Können erlernen. Auf Befehl seines Königs kam auch ein erster schwedischer Maler in die Rheinmetropole. D' Unker, der für seine sozialkritische Genremalerei in der Art eines Johann Peter Hasenclever bekannt wurde.
Ein gebrechlicher Greis und seine junge Enkelin müssen im Kampf gegen den Hunger ihren Beitrag zum Familienunterhalt leisten. Sie versuchen mit Straßenmusik ein paar Münzen für das nächste Brot zu erbetteln. Doch die Gesetze erlauben dies nicht. Die beiden werden festgenommen und einem Beamten vorgeführt. Dieser steht dem Elend hilflos gegenüber und weiß keinen Rat.

Carl Henrik D'Unker - Arrestmeldung (1857) - Öl auf Leinwand (52,6 x 60,5 cm)
Carl Henrik D'Unker - Arrestmeldung (1857) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (52,6 x 60,5 cm)
Carl Henrik D'Unker - Arrestmeldung (1857) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (52,6 x 60,5 cm)

 Oskar Gräf (1861 -1912)

Die Arbeitsbedingungen in den Industrieanlagen waren katastrophal. Der Sicherheit wurde keine besondere Beachtung geschenkt. Die Arbeiter waren austauschbar. So kam es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Die Ehefrau bekam eine lächerlich kleine finanzielle Entschädigung und war dann mit ihren Kindern auf sich alleine gestellt.
Die Trauer und Wut in dieser Situation zeigt anschaulich das Gemälde Oskar Gräfs, der unter anderem für die satirische Sozialdemokratische Zeitschrift Der Wahre Jakob zeichnete.

Oskar Gräf - Begräbnis eines Arbeiters (um 1900) - Öl auf Leinwand (62,5 x 100 cm)
Oskar Gräf - Begräbnis eines Arbeiters (um 1900) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (62,5 x 100 cm)
Oskar Gräf - Begräbnis eines Arbeiters (um 1900) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (62,5 x 100 cm)
Oskar Gräf - Begräbnis eines Arbeiters (um 1900) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (62,5 x 100 cm)

Josef Rolletschek (1859 - 1934)

Die Arbeit auf dem Lande reichte bei weitem nicht mehr aus, für die immer stärker anwachsende Bevölkerung. Viele Menschen waren gezwungen, in Richtung große Industriezentren zu wandern, um dort einen Broterwerb zu finden.

Solch von der örtlichen Polizei kontrollierte, und als unbrauchbar ausgewiesene Wanderarbeiter, zeigt das Gemälde Rolletscheks. Zu diesem Maler sind leider im Internet und meinen Büchern keine brauchbaren Informationen vorhanden.

Josef Rolletschek - Ausweisung der Wanderarbeiter (1889) - Öl auf Leinwand (118 x 154 cm)
Josef Rolletschek - Ausweisung der Wanderarbeiter (1889) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (118 x 154 cm)
Josef Rolletschek - Ausweisung der Wanderarbeiter (1889) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (118 x 154 cm)
Josef Rolletschek - Ausweisung der Wanderarbeiter (1889) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (118 x 154 cm)

Robert Koehler (1850 - 1917)

Koehlers Gemälde Der Streik hieß früher Vor dem Streike, was die dargestellte Situation wohl etwas besser beschreibt. Die wütenden Arbeiter stehen kurz vor der Entscheidung, in den Streik zu treten. Eine Frau fleht ihren Ehemann an, einzuhalten, da ihre finanzielle Lage dies nicht erlauben wird. Ein anderer ist wild entschlossen und habt einen Stein zum Angriff. Der Arbeitersprecher versucht mit letzten, ernsten Worten, den Fabrikbesitzer von ihrer miserablen Lage zu überzeugen. Aber sein Unterfangen wird scheitern. Der Streik beginnt.

2011 widmete James M. Dennis ein ganzes Buch diesem Bilde. Eine Leseprobe ist hier zu finden.

Nachtrag: Dennis meint wohl zu Recht, dass im Vordergrund nicht die Ehefrau, sondern eine Frauen-Aktivistin, welche die Arbeiter in ihrem Kampf um soziale Verbesserungen unterstützt, abgebildet ist. Grund: Ihre bessere Kleidung.

Robert Koehler - Vor dem Streik (1886) - Öl auf Leinwand (181,6 x 275,6 cm)
Robert Koehler - Vor dem Streik (1886) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (181,6 x 275,6 cm)
Robert Koehler - Vor dem Streik (1886) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (181,6 x 275,6 cm)
Robert Koehler - Vor dem Streik (1886) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (181,6 x 275,6 cm)
Robert Koehler - Vor dem Streik (1886) (Ausschnitt) - Öl auf Leinwand (181,6 x 275,6 cm)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.