Kunsthalle Karlsruhe Teil 2
Die Karlsruher Maler des 19. Jahrhunderts verbindet man vor allem mit der Landschafts- und Historienmalerei.
In diesem Teil möchte ich ein paar Landschaftler vorstellen, welche ihren Weg in die Sammlung der Kunsthalle gefunden haben.
Schirmers Naturansichten sind oft ähnlich komponiert wie die seines Vorbilds Carl Friedrich Lessing. Die Bilder könnten auch ohne menschliche Staffage bestehen, aber zur Abrundung ist fast immer eine kleine Geschichte eingebaut, um das Interesse an dem Gemälde zu steigern. Schirmer stellt hierbei meist kleine Anekdoten oder biblische Geschichten dar.
Wie in den beiden Szenen aus der Serie Die vier Tageszeiten, welche der Großherzog 1858 seiner Sammlung einverleibte.
Seine große Stärke zeigte Schirmer, wenn er frei von solchem Tiefgang die Natur darstellte, wie sie war. So sind in der Kunsthalle zwei schöne Ausflüge mit Blick auf ein weites Tal ausgestellt.
Wahre Meisterwerke sind seine detaillierten Studien, die nicht als eigenständige, für die Öffentlichkeit gedachte Werke galten.
Die Felsküste bei Etretat habe ich bereits 2002 in einer Aachener Ausstellung gesehen und war damals völlig hingerissen. Auch nach all den Jahren hat diese Wirkung nichts von ihrer Kraft verloren. Dieses kleine Werk ist für mich noch immer die schönste Küstenstudie, die mir je begegnet ist. Ein wahrer Höhepunkt der gesamten Karlsruher Sammlung.
Das in der Kunsthalle ausgestellte Landschaftsbild Böcklins wirkt auf meiner Aufnahme bei weitem nicht so schön, wie es wirklich ist. Vor allem der große, alles überragende Baum in der Mitte, mit seiner hellen, gefleckten Rinde, ist wunderbar gemalt.
Seine Lehrjahre verbrachte der Maler an mehreren Akademien, unter anderem an der Kunstschule in Karlsruhe, wo er zeitweise mit Hans Thoma befreundet war. Nach zwei Jahren verließ er Baden in Richtung Düsseldorf, da ihm Professor Schirmer nicht als geeignetes Vorbild erschien.
Auf den Auktionen tauchen immer wieder beeindruckende Orientbilder Brachts auf, welche das Leben in der kargen Wüste beschreiben. So wie das wunderbare Gemälde der Kunsthalle aus dem Jahre 1882. Vor diesem Bild trocknet einem förmlich die Kehle. Die brütende Hitze des Wüstentages verlangt nach einem kühlen Schluck zur Linderung. Prost.
In seinen Zwanzigern lebte und studierte Thoma immer wieder in Karlsruhe. Es war nicht die glücklichste Phase seines Lebens, wie man in seiner Autobiographie Im Winter des Lebens nachlesen kann. Nach Karlsruhe kehrte er daher erst im hohen Alter von sechzig Jahren zurück. Ausschlaggebend war ein Stellenangebot, das er kaum ausschlagen konnte: die Leitung der Kunsthalle und zugleich eine Professur an der Akademie. Den Aufwand seiner Lehrtätigkeit hielt er bewusst gering – ein Umstand, der zeigt, welch freies und privilegiertes Arbeitsumfeld die angeworbenen Künstler damals in Karlsruhe vorfanden. Ähnliches wurde bereits über seinen Vorgänger Lessing berichtet.
Thoma war nicht der große Könner wie Anton von Werner. Seine Bilder sind manchmal etwas langweilig, unglücklich komponiert und die Menschen leblos. Mir gefallen vor allem die Landschaften, in denen er mit sattem grün und kräftigem blau arbeitet. So wie oben zum Beispiel beim Kinderreigen, hier oder hier.
Ein faszinierender Raum, der seinesgleichen sucht, ist die Thoma-Kapelle. Man betritt sie von oben, durch eine abgedunkelte Zwischenpassage, und gelangt in eine Art Gruft, nur ohne Sarg. Diese Inszenierung verleiht dem Raum einen ausgeprägt sakralen Charakter. Der zu Thomas Ehren errichtete Bau (1905–1909) war als krönender Abschluss seines Lebenswerkes gedacht, zumal der Meister selbst die großformatigen Gemälde aus dem Leben Jesu beisteuerte.
Vor allem die Nahaufnahmen zeigen jedoch, dass das malerische Endergebnis die hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte. Die Umsetzung der Menschen ist für einen akademischen Maler eher bescheiden, nur die Gewänder können wirklich überzeugen.
In diesem Teil möchte ich ein paar Landschaftler vorstellen, welche ihren Weg in die Sammlung der Kunsthalle gefunden haben.
Johann Wilhelm Schirmer (1807 - 1863)
Der Aufstieg der Karlsruher Kunstakademie zur bedeutenden Institution begann Mitte des 19. Jahrhundert mit der Anwerbung Johann Wilhelm Schirmers. Er galt als einer der Hauptgründer der weltweit bekannten Düsseldorfer Landschaftsschule und war Anziehungspunkt für junge Maler und schon bekanntere Kollegen.Schirmers Naturansichten sind oft ähnlich komponiert wie die seines Vorbilds Carl Friedrich Lessing. Die Bilder könnten auch ohne menschliche Staffage bestehen, aber zur Abrundung ist fast immer eine kleine Geschichte eingebaut, um das Interesse an dem Gemälde zu steigern. Schirmer stellt hierbei meist kleine Anekdoten oder biblische Geschichten dar.
Wie in den beiden Szenen aus der Serie Die vier Tageszeiten, welche der Großherzog 1858 seiner Sammlung einverleibte.
Seine große Stärke zeigte Schirmer, wenn er frei von solchem Tiefgang die Natur darstellte, wie sie war. So sind in der Kunsthalle zwei schöne Ausflüge mit Blick auf ein weites Tal ausgestellt.
Wahre Meisterwerke sind seine detaillierten Studien, die nicht als eigenständige, für die Öffentlichkeit gedachte Werke galten.
Johann Wilhelm Schirmer - Böschung mit Baumstamm (um 1855-60)
Die Felsküste bei Etretat habe ich bereits 2002 in einer Aachener Ausstellung gesehen und war damals völlig hingerissen. Auch nach all den Jahren hat diese Wirkung nichts von ihrer Kraft verloren. Dieses kleine Werk ist für mich noch immer die schönste Küstenstudie, die mir je begegnet ist. Ein wahrer Höhepunkt der gesamten Karlsruher Sammlung.
Johann Wilhelm Schirmer - Felsküste bei Etretat (1836)
Carl Blechen (1798 - 1840)
Blechen ist einer der ausgestellten Landschaftsmaler, die keine direkte Verbindung zu Karlsruhe haben. Sein Bild soll die Sammlung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vervollständigen. Ausgestellt ist ein typisches Italien-Motiv Blechens. Ein spektakulärer Blick die Steilwand hoch in Richtung Kloster, welches er aus einer etwas anderen Richtung auch hier festgehalten hat.Carl Blechen - Blick auf das Kloster Sta. Scolastica bei Subiaco (1832)
Carl Morgenstern (1811 - 1893)
Der Frankfurter Morgenstern rundet die hochwertige Zusammenstellung der Zeit vor 1850 ab. Der Künstler war ein guter Architektur- und Landschaftsmaler, ist aber nicht allzu bekannt. An der Qualität seiner Bilder liegt es jedenfalls nicht, diese sind von hoher Güte. Die von seiner frühen Italienreise beeinflussten Gemälde überzeugen durch schöne Lichteffekte, wie auch in dem hier abgebildeten Bild. Seine große Schwäche war die Darstellung der menschlichen Staffage, aber in seinen Freilichtstudien spielte dies keine Rolle.Arnold Böcklin (1827 - 1901)
In jungen Jahren lebte der Schweizer Böcklin fast sieben Jahre in Rom. Die Italienreise stand zu dieser Zeit noch auf dem Pflichtprogramm viele Maler und ebbte erst mit dem größeren Selbstbewusstsein zur eigenen nationalen Kunst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts langsam wieder ab.Das in der Kunsthalle ausgestellte Landschaftsbild Böcklins wirkt auf meiner Aufnahme bei weitem nicht so schön, wie es wirklich ist. Vor allem der große, alles überragende Baum in der Mitte, mit seiner hellen, gefleckten Rinde, ist wunderbar gemalt.
Eugen Bracht (1842 - 1921)
Eugen Bracht war einer der besten Landschaftsmaler im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Anton von Werner war sehr bemüht, ihn nach Berlin zu holen und machte ihm dies mit einer Professur schmackhaft.Seine Lehrjahre verbrachte der Maler an mehreren Akademien, unter anderem an der Kunstschule in Karlsruhe, wo er zeitweise mit Hans Thoma befreundet war. Nach zwei Jahren verließ er Baden in Richtung Düsseldorf, da ihm Professor Schirmer nicht als geeignetes Vorbild erschien.
Auf den Auktionen tauchen immer wieder beeindruckende Orientbilder Brachts auf, welche das Leben in der kargen Wüste beschreiben. So wie das wunderbare Gemälde der Kunsthalle aus dem Jahre 1882. Vor diesem Bild trocknet einem förmlich die Kehle. Die brütende Hitze des Wüstentages verlangt nach einem kühlen Schluck zur Linderung. Prost.
Hans Thoma (1839 - 1924)
Als Anfang des 20. Jahrhunderts immer mehr Salon-Maler von der Kritik als bedeutungslos eingestuft wurden, konnte überraschenderweise Hans Thoma seinen guten Ruf behaupten. Seine Bilder gehörten technisch noch der akademischen Tradition an, aber mit ihren harmlosen Themen waren sie kein rotes Tuch für die Neues suchenden Kunstrichter.In seinen Zwanzigern lebte und studierte Thoma immer wieder in Karlsruhe. Es war nicht die glücklichste Phase seines Lebens, wie man in seiner Autobiographie Im Winter des Lebens nachlesen kann. Nach Karlsruhe kehrte er daher erst im hohen Alter von sechzig Jahren zurück. Ausschlaggebend war ein Stellenangebot, das er kaum ausschlagen konnte: die Leitung der Kunsthalle und zugleich eine Professur an der Akademie. Den Aufwand seiner Lehrtätigkeit hielt er bewusst gering – ein Umstand, der zeigt, welch freies und privilegiertes Arbeitsumfeld die angeworbenen Künstler damals in Karlsruhe vorfanden. Ähnliches wurde bereits über seinen Vorgänger Lessing berichtet.
Hans Thoma - Selbstbildnis mit Amor und Tod (1875)
Thoma war nicht der große Könner wie Anton von Werner. Seine Bilder sind manchmal etwas langweilig, unglücklich komponiert und die Menschen leblos. Mir gefallen vor allem die Landschaften, in denen er mit sattem grün und kräftigem blau arbeitet. So wie oben zum Beispiel beim Kinderreigen, hier oder hier.
Ein faszinierender Raum, der seinesgleichen sucht, ist die Thoma-Kapelle. Man betritt sie von oben, durch eine abgedunkelte Zwischenpassage, und gelangt in eine Art Gruft, nur ohne Sarg. Diese Inszenierung verleiht dem Raum einen ausgeprägt sakralen Charakter. Der zu Thomas Ehren errichtete Bau (1905–1909) war als krönender Abschluss seines Lebenswerkes gedacht, zumal der Meister selbst die großformatigen Gemälde aus dem Leben Jesu beisteuerte.
Vor allem die Nahaufnahmen zeigen jedoch, dass das malerische Endergebnis die hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte. Die Umsetzung der Menschen ist für einen akademischen Maler eher bescheiden, nur die Gewänder können wirklich überzeugen.

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