Montag, 9. Februar 2009

Hübner's Beamtenpfusch

Ich las gerade von einem Beamten, der Carl Wilhelm Hübner ins Handwerk pfuschte. Die Sache ist folgende:

Auftragsarbeiten
Künstler, große und kleine, haben zu allen Zeiten Werke im Sinne ihrer Auftraggeber geschaffen. Sowohl das Thema selber als auch Details der Ausführung waren oft vorbestimmt. Dies ist nicht verwerflich, sondern notwendiges 'Übel' und kein Kriterium für gut oder schlecht. Dies bei einem Meister der Renaissance akzeptieren aber bei einem akademischen Maler des 19. Jahrhundert kritisieren, zeugt entweder von Unwissenheit oder Ignoranz.
Berühmtestes Beispiel für eine Arbeit wider Willen sind wohl Michelangelos Fresken in der Sixtinische Kapelle. Michelangelo wehrte sich mit Händen und Füßen gegen diesen Auftrag der Ausmalung, aber gegen die Macht des Papstes war er machtlos. Bevor das jüngste Gericht ihn strafend ereilen konnte, fügte er sich und malte selbiges an die Wand, zur Rettung seines Seelenheils.

Bescheidenheit ist Trumpf
In unzähligen religiösen Bildern sind nicht nur die Heiligen selber zu sehen, sondern auch die Stifter der Gemälde, welche sich vom Künstler in diesem elitären Kreise haben verewigen lassen.
So auch die Renaissance-Fürsten Medici in ganz bescheidener Art und Weise als Heilige drei Könige im folgenden Gemälde Botticellis

Sandro Botticelli: Anbetung der Könige (um 1475)

Nationalspieler Hübner
Um eine Auftragsarbeit handelt es auch im Falle Hübners. Die 1861 gegründeten Nationalgalerie wollte die besten deutschen Künstler in einer großen Sammlung vereinen, so dürfte auch ein Gemälde Hübners nicht fehlen.
Was das Bild in der National-Gallerie betrifft, so bin ich seiner Zeit aufgefordert worden, ein Bild zu diesem Zwecke vorzustellen.
Er malte 1867 eine für ihn typische Genreszene.

Carl Wilhelm Hübner: Die Verstoßene / Sünderin an der Kirchenthür (1867)
Öl auf Leinwand - 146 x 220 cm
Es stellt eine bettende junge Mutter dar, welche, mit ihrem kleinen Baby auf dem Arm, neben der Kirchentür sitzt. Der Pfarrer nähert sich von links, um nach dem Rechten zu sehen. Wie es der Frau geht und warum sie dort sitzt, ist nicht eindeutig erkennbar. Vielleicht benötigt sie finanzielle Hilfe, vielleicht eine Unterkunft. Der Titel des Bildes legt dies nahe. Sie wirkt auf jeden Fall relativ ruhig und entspannt.
Wäre es aber nach dem Maler selber gegangen, wäre die Szene weniger unscheinbar, sondern dramatischer gewesen. Die Frau sollte voller Verzweiflung auf dem Boden liegen, so auf jeden Fall die erste Idee des Künstlers, die er in einer früheren Version dieses Themas auch realisierte.

Carl Wilhelm Hübner: Studie - Sünderin an der Kirchenthür (1867)
Öl auf Leinwand - 32 x 47 cm

Aufrechter Befehl
Aber dem Herrn Kultusminister Heinrich von Mühler gefiel dies nicht. So musste Hübner, wohl oder übel, das Bild entsprechend anpassen. Hübners Verkäufe waren Mitte der 60er Jahre nicht mehr rosig und auf den Prestigegewinn, eines seiner Werke in der Nationalgalerie zu wissen, konnte er nicht verzichten. Er musste eine große Familie ernähren. So befahl der Beamte ohne Kunstverstand eine aufrechte, Stolz bewahrende Mutter, und die bekam er.
Ich that es und vernichtete selber das Dramatische des Ganzen, die erste Idee - der Guß - ging verloren

GZSZ
Ob die Beamten besser geworden sind, mag ich nicht zu beurteilen. Aber beim abstrakten Kunstmüll ohne Inhalt kann so ein Zwischenfall heutzutage nicht mehr geschehen. Denn ohne Handlung kein Kläger...

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