Carl Wilhelm Hübner (1814 - 1879)
Ich habe gerade das Buch Carl Wilhelm Hübner (1814-1879): Genre und Zeitgeschichte im deutschen Vormärz von Lilian Landes gelesen. Da liegt es nahe, bevor ich wieder zu viel vergesse, einen etwas zu groß geratenen Artikel zu schreiben. Das Buch ist eine Dissertation und dies legt auch den Inhalt nahe. In die Tiefe gehende Gedanken, immer mit Zitaten belegt, eben wissenschaftlich fundiert, für den Laien wohl zu trocken. Vieles ist nur für den Fachmann interessant, als Bilderbuch ist es nicht geeignet. Mir hat das Buch trotzdem gefallen, da ich es lehrreich fand. Und Frau Landes, mit der ich kurz per E-Mail in Kontakt stand, freute sich darüber, dass ich ihr Buch in meinem Blog behandelt habe.
Die Anfänge (1814 - 1844)
Carl Wilhelm Hübner wurde 1814 in der Ostpreußischen Hauptstadt Königsberg geboren. Als Sohn eines Bauhandwerkers sollte er in die Fußstapfen seines Vaters treten. Aber schon früh erkannten seine Lehrer, dass er ein geborener Künstler war. Er erhielt seine erste Zeichenausbildung bei dem Künstler Johann Eduard Wolff. Hübner war talentiert. Der spätere Universitätsprofessor August Hagen setzte sich für ihn ein. Es fand sich sogar ein Sponsor, der Kaufmann Kahle, der ihn finanziell unterstützte. Königsberg war zu dieser Zeit kein Ort für einen angehenden Künstler. Das nahe Berlin zu teuer.
Aufgrund seiner Förderer aber bekam Hübner die Möglichkeit, 1837 ins ferne Düsseldorf zu ziehen, um dort an der damals renommierten Kunstakademie zu studieren.
Parallel dazu zog er schon 1838 mit Clara Caroline Dorn in den Hafen der Ehe ein. Mit ihr war er sein Leben lang glücklich verheiratet und der Kindersegen endete erst bei 10 urkundlich gesicherten Kindern.
Bis 1839 sog er als einfacher Eleve alles auf, was er an der Hochschule lernen konnte. Von 1839 bis 1841 durfte er die Meisterklasse besuchen. Seine Lehrer waren Karl Ferdinand Sohn und später auch Direktor Wilhelm von Schadow. 1841 war seine Ausbildung beendet und die Basis gelegt.
Nun stand Hübner auf eigenen Beinen. Er wollte Genremaler werden, das war klar. Wie viele andere damals in Düsseldorf. Es galt also, sich einen eigenen Namen zu schaffen. Er stellte zwar seit 1838 in der großen Berliner Akademieausstellung aus, aber ein wirklicher Erfolg war ihm noch nicht vergönnt. Dieser blieb nicht zu Unrecht aus, so Hübner in einem Brief von 1846:
Aufgrund dessen war er anfangs teilweise gezwungen, sich der ungeliebten Porträtmalerei hinzugeben.
Im Laufe der Zeit erntete er langsam erste positive Besprechungen, welche nachfolgende Verkäufe unterstützten. Das ermöglichte ihm später, Genrebilder ohne Auftrag und Korsett zu schaffen, welche seinen Ruf bei den Ausstellungen mehren sollte.
Kunstvereine
Neben den Akademien als Zentren der offiziellen Kunstwelt entstanden seit Mitte der 20er Jahre des 19. Jahrhunderts in ganz Deutschland Kunstvereine. Vereine gründeten sich in der Vormärzzeit wie Sand am Meer, da durften die Künstler nicht nachstehen.
1823 in München wohl der erste seiner Art. Die Düsseldorfer ließen nicht lange auf sich warten und gründeten 1829 ihren Kunstverein für die Rheinlande und Westphalen.
Diese Vereine entstanden in der Regel als Gegenpol zu den Akademien. Nicht so in Düsseldorf, wo der Kunstverein personell eng mit der Akademie verknüpft war. Beispielsweise war Direktor Schadow einer der Gründungsmitglieder des Kunstvereins.
Ihr Hauptanliegen war, für freischaffende Künstler oder Künstler, die an der Akademie nicht in hohem Rang standen, wie Landschafts- oder Genremaler, eine gute Position im freien Wettbewerb zu finden. Aufgrund größerer wirtschaftlicher Bedeutung wurde das Bürgertum als Käuferschicht immer interessanter. Gerade für Künstler, die keine Aufträge des Adels, der Kirche oder des Staates erlangten, war das ein lebenswichtiger Absatzmarkt. Dieser wurde mittels des Kunstvereins koordiniert angezapft.
Letzter Höhepunkt (1874)
Eine der letzten Höhepunkte in Carl Wilhelm Hübners Leben war die lang ersehnte USA Reise 1874. Die Düsseldorfer Schule galt noch bis Anfang der 1860er Jahre als das Mekka der Malerei. Viele Amerikaner, oder später nach Amerika übergesiedelte Künstler wie Emanuel Leutze oder Albert Bierstadt, genossen in Düsseldorf ihre Ausbildung.
Mensch Hübner
Hübner war ein Familienmensch und glücklich verheiratet. Er war sehr gesellig, hilfsbereit und bescheiden. Das Schreiben war nicht sein Ding, eher das Reden.
Der Maler war ein tatkräftiger Mensch, der sein Schicksal selbst in die Hand nahm. Gründer und aktives Mitglied vom Unterstützungsverein und dem Düsseldorfer Malkasten schmückten seine Vita. Er war ein Macher. Hübner setzte sich für Urheberrechtsfragen und Einkommenssteuerbefreiung ein, kümmerte sich um Sponsoren und Spendenaktionen, organisierte Wohltätigkeitsveranstaltungen und Vereinsveranstaltungen. Die Ausstellungsbeschickung samt Transport war lange Zeit in seinen Händen. Außerdem verhandelte er in Fragen vorteilhafterer Gemäldehängung und machte sich auf die Suche nach neuen Käuferschichten.
Ende (1879)
Hübner starb 1879 und hinterließ in künstlerischer Hinsicht keine Nachfolger, die sich direkt auf ihn beziehen. Sein Sohn Julius, nicht zu verwechseln mit dem Maler Rudolf Julius Benno Hübner, war sein einziger Schüler. Er aber verstarb noch vor seinem Vater Ende 1874.
Fazit
Hübner war kein Maler der ersten Riege der Düsseldorfer Malerschule. Mir gefallen seine Bilder meist, da man kurzfristig in eine kleine andere Welt abtauchen kann. Als Freund detailliert ausgemalter Bilder ist man bei den Düsseldorfern an der richtigen Adresse. So auch bei Carl Wilhelm Hübner.
Die Anfänge (1814 - 1844)
Carl Wilhelm Hübner wurde 1814 in der Ostpreußischen Hauptstadt Königsberg geboren. Als Sohn eines Bauhandwerkers sollte er in die Fußstapfen seines Vaters treten. Aber schon früh erkannten seine Lehrer, dass er ein geborener Künstler war. Er erhielt seine erste Zeichenausbildung bei dem Künstler Johann Eduard Wolff. Hübner war talentiert. Der spätere Universitätsprofessor August Hagen setzte sich für ihn ein. Es fand sich sogar ein Sponsor, der Kaufmann Kahle, der ihn finanziell unterstützte. Königsberg war zu dieser Zeit kein Ort für einen angehenden Künstler. Das nahe Berlin zu teuer.
Aufgrund seiner Förderer aber bekam Hübner die Möglichkeit, 1837 ins ferne Düsseldorf zu ziehen, um dort an der damals renommierten Kunstakademie zu studieren.
Parallel dazu zog er schon 1838 mit Clara Caroline Dorn in den Hafen der Ehe ein. Mit ihr war er sein Leben lang glücklich verheiratet und der Kindersegen endete erst bei 10 urkundlich gesicherten Kindern.
Bis 1839 sog er als einfacher Eleve alles auf, was er an der Hochschule lernen konnte. Von 1839 bis 1841 durfte er die Meisterklasse besuchen. Seine Lehrer waren Karl Ferdinand Sohn und später auch Direktor Wilhelm von Schadow. 1841 war seine Ausbildung beendet und die Basis gelegt.
Nun stand Hübner auf eigenen Beinen. Er wollte Genremaler werden, das war klar. Wie viele andere damals in Düsseldorf. Es galt also, sich einen eigenen Namen zu schaffen. Er stellte zwar seit 1838 in der großen Berliner Akademieausstellung aus, aber ein wirklicher Erfolg war ihm noch nicht vergönnt. Dieser blieb nicht zu Unrecht aus, so Hübner in einem Brief von 1846:
...indem ich aufrichtig gestanden nicht genau mehr weiß, was ich alles schon gemalt u. ich bin im ganzen recht froh darüber, manches vergessen zu haben.
Aufgrund dessen war er anfangs teilweise gezwungen, sich der ungeliebten Porträtmalerei hinzugeben.
Im Laufe der Zeit erntete er langsam erste positive Besprechungen, welche nachfolgende Verkäufe unterstützten. Das ermöglichte ihm später, Genrebilder ohne Auftrag und Korsett zu schaffen, welche seinen Ruf bei den Ausstellungen mehren sollte.
Kunstvereine
Neben den Akademien als Zentren der offiziellen Kunstwelt entstanden seit Mitte der 20er Jahre des 19. Jahrhunderts in ganz Deutschland Kunstvereine. Vereine gründeten sich in der Vormärzzeit wie Sand am Meer, da durften die Künstler nicht nachstehen.
1823 in München wohl der erste seiner Art. Die Düsseldorfer ließen nicht lange auf sich warten und gründeten 1829 ihren Kunstverein für die Rheinlande und Westphalen.
Diese Vereine entstanden in der Regel als Gegenpol zu den Akademien. Nicht so in Düsseldorf, wo der Kunstverein personell eng mit der Akademie verknüpft war. Beispielsweise war Direktor Schadow einer der Gründungsmitglieder des Kunstvereins.
Ihr Hauptanliegen war, für freischaffende Künstler oder Künstler, die an der Akademie nicht in hohem Rang standen, wie Landschafts- oder Genremaler, eine gute Position im freien Wettbewerb zu finden. Aufgrund größerer wirtschaftlicher Bedeutung wurde das Bürgertum als Käuferschicht immer interessanter. Gerade für Künstler, die keine Aufträge des Adels, der Kirche oder des Staates erlangten, war das ein lebenswichtiger Absatzmarkt. Dieser wurde mittels des Kunstvereins koordiniert angezapft.
In Kunstvereinen waren häufig nicht nur Künstler, sondern auch Kunstinteressierte als Mitglieder zugelassen. Jedes Mitglied zahlte einen Jahresbeitrag. Dieser wurde zu großen Teilen verwendet für den Ankauf von Gemälden der im Verein angemeldeten Künstler. Sie wurden dann unter den Vereinsmitgliedern verlost. Der bis dahin höchste Ankaufspreis wurde 1845 für Hübners Jagdrecht-Bild bezahlt.
Die Vereine veranstalteten, im zeitlichen Abstand zur großen Akademieausstellung in Berlin, eigene Ausstellungen. Die Künstler wurden durch diese Verkäufe natürlich nicht reich, aber ihrem Bekanntheitsgrad kam dies sehr zugute. So auch durch graphische Reproduktionen, welche der Verein von vielen Gemälden anfertigen ließ.
Das alles geschah zu einer Zeit, als private Galerien noch ohne Bedeutung waren.
Laut Schätzung gingen ungefähr 50 Prozent der 1840 verkauften Gemälde an die Kunstvereine.
Unterstützungsverein (seit 1844)
Hübner war Mitglied im Kunstverein, wie fast alle anderen Künstler auch. Aufgrund der engen personellen Verflechtung mit der Akademie fühlten sich jedoch die Maler niedrigerer Gattungen, wie Hübner als Genremaler, nicht ausreichend vertreten. So kam es 1844 zur Gründung des Vereins Düsseldorfer Künstler zur gegenseitigen Unterstützung und Hilfe, kurz Künstlerunterstützungsverein. Hübner war Gründungsmitglied und später, zusammen mit Lessing oder Hasenclever, zeitweise Verwaltungsmitglied. Er blieb dem Unterstützungsverein sein Leben lang treu.
Im Gegensatz zum Kunstverein waren nur Künstler zugelassen. Ziel war die finanzielle, bürokratische und rechtliche Unterstützung von bedürftigen Künstlern oder Hinterbliebenen und ein koordiniertes Vorgehen bei der Beschickung von Ausstellungen, um ein Gegengewicht zu dem Ausstellungsmonopol der Akademie bzw. des Kunstvereins zu erlangen. Die Organisation der Ausstellungsbeschickung war mehrere Jahre in der Hand Hübners. Da dies aber zu zeitaufwendig war, reichte er die Fackel der Organisation weiter.
Bemerkenswert ist, dass die Auseinandersetzung zwischen freien Künstlern und der Akademie meist auf rein sachlicher Ebene ausgefochten wurde. So war Akademiedirektor Schadow ebenfalls einer der Gründer des Unterstützungsvereins oder Hübner Zeit seines Lebens voller Lob für seinen Lehrer Sohn. Sachliche Kritik nebst persönlicher Freundschaft war für die Herren damals kein Problem.
Der Durchbruch (1844)
Seinen großen Durchbruch erreichte er 1844 mit dem Bild Die schlesischen Weber. Dargestellt ist das herzlose Regiment eines Kaufmanns gegenüber den einfachen Webern. In ihrer Hoffnung auf einen angemessenen Preis für ihr Leinen sind sie ganz der Willkür des Kaufmanns ausgeliefert. Doch, wie im Gemälde Hübners dargestellt, wurden die Hoffnung zu oft enttäuscht und ganze Familien in den Abgrund gestoßen.
Dieses Bild bewirkte eine Aufruhr, die heute kaum mehr verständlich ist. Da nachfolgend Aufstände unter den schlesischen Webern ausbrachen, wurde dieses Bild als prophetisch für die jeweiligen Interessen vereinnahmt. Hübner galt von nun an als ein Maler am Puls der Zeit, als der Maler sozialthematischer Bilder. Das dies jedoch bei weitem übertrieben war und nicht in der Absicht Hübners lag, wird Frau Landes nicht müde zu beschreiben.
Hier in Kurzform ein paar Fakten:
Leichter Zwischengang (1844)
Das Hübner auch schon zu dieser Zeit auch leichte Kost malte, zeigt zum Beispiel das zeitlich zwischen den Webern und dem nachfolgenden Jagdrecht liegende Gemälde Der neue Lehrbursche von 1844. Dargestellt wird die Vorstellung des neuen Lehrjungen beim Dorfschmied.
Auf der Erfolgswelle (1846)
Das zeitlich dem Weber folgende sozialthematische Gemälde, Das Jagdrecht von 1846, spielt an auf das damals noch geltende, aber kritisch angesehene alleinige Jagdrecht des Adeligen auf seinen Ländereien. Zuwiderhandlung wurden im Extremfall bis zur Erschießung geahndet.
Solch eine Situation ist auch auf diesem Gemälde beschrieben. Ein Schwein liegt tot auf dem Boden, wohl gejagt von zwei einfachen Männer. Einer der beiden ist angeschossen. Sie sind auf der Flucht vor dem Grundbesitzer ins rettende Haus.
Die Handlung wird vollständig verständlich, wenn man berücksichtigt, dass dieses Gemälde bis ins Detail auf einem Gedicht von Hübners Freund Wolfgang Müller von Königswinter: Jagdrecht (1845) basiert. Dann wird klar, dass es eine Anklage gegen das bestehende Jagdrecht ist. Not und Hunger zwangen die beiden Männer zu ihrer Tat, die der angeschossene Vater mit dem Leben bezahlen wird.
Auswanderthema (ab 1846)
Mehrfach, vor und nach 1848, malte Hübner Auswander-Bilder. Oft ist der Abschied von der Heimat dargestellt. Auch dieses Thema ist nicht vollständig der Imagination Hübners entsprungen, sondern basiert in der 1846 Version wiederum auf einem Gedicht seines Freunds Müller von Königswinter, Auswanderer von 1842.
Hier klingt noch Kritik an den schlechten Verhältnissen in Deutschland an, welche die Vaterlandsliebende arme Bevölkerung ins Ausland trieb. In den Zeiten nach 1848 wandelte sich die Auswanderungsbewegung, so dass häufig nicht mehr ein wirtschaftlicher Zwang, sondern die Hoffnung auf eine große Karriere zur Auswanderung nach Amerika führte, wie später bei Hübners Söhnen.
Märzrevolution (1848)
Die 1848 Revolutionen hinterließen keinen bleibenden Eindruck auf Hübner. Er sympathisierte mit den Aufständischen, mehr aber auch nicht. Zitat aus einem Brief von 2. April 1848:
Malkasten (ab 1848)
Hübners Einkommen entsprach Mitte der 40er Jahre ungefähr dem Einkommen eines Akademieprofessors, er konnte sich also nicht beklagen. Spätestens nach den Unruhen von 1848 verschlechterte sich die Situation wieder. Was macht der gute 48er in so einem Fall? Genau, er gründet einen Verein. Davon kann es ja nicht genug geben. Dieses mal den Malkasten in Düsseldorf. Hübner leitete über Jahre als Vorsitzender die Geschicke dieser Vereinigung. Dessen ursprüngliches Hauptanliegen war das gesellige Beisammen der Künstler.
Aber neben dem Spaß und der Unterhaltung stand als Leitbild des Vereins immer die nationale Einheit im Vordergrund.
Dies führte unter anderem dazu, dass von Düsseldorf ausgehend, noch weit vor der politischen Einheit 1870, 1858 eine gesamtdeutsche Kunstgenossenschaft mit Hübners Beteiligung gegründet wurde.
Dorfgeschichten (vor allem ab 1848)
Dorfgeschichten nahmen vor und vor allem nach 1848 einen großen Raum in Hübners Schaffen ein.
Nach den Märzunruhen versank das Land in einen langen Schlaf bis an das Ende der 60er Jahre. Die revolutionären Gedanken der 48er waren schnell beiseite gelegt und ersetzt durch den Glauben an eine Reform der kleinen Schritte. Menzels und Hasenclevers große Gemälde aus dieser Zeit, Aufbewahrung der Märzgefallenen und Abschied des Bürgerwehrmannes, blieben unvollendet.
Die Kunstwelt kam aus ihrer elitären Nische hervor und wurde massenkompatibel. Die Düsseldorfer Zeitung bekam 1845 ihren ersten Kunst- und Literaturteil. Tiefergehende Bildungskenntnisse voraussetzende, idealisierende Darstellungen waren für das neue bürgerliche Publikum ungeeignet. Klar verständliche Bildaussagen mit leicht überzeichneten Emotionen hingegen waren viel besser geeignet. Das Publikum wollte keine romantisch- weltfremden Ritter und Edelfrauengemälde der Schadow-Schule sehen, sondern etwas Realistischeres. Dies bedeutete beim damaligen Publikumsgeschmack meist eine abgemilderte, idealisierte Form der Realität. Der
aber weniger Hübners bürgerlicher, biedermeierscher Klientel, welche nach bescheidenem Wohlstand und heiler Familienwelt strebte. Das Publikum wollte Mitleid verdienende, edle Proletarier sehen und Hübner lieferte.
Schöne Genrebilder für die Wohnzimmerwand waren gefragt und wurden geliefert.
Ein Unglück oder Drama sollte keine großen sozialen Fragen behandeln, sondern immer auf Ebene des Einzelfalls oder des Zufalls bleiben.
Klar verständliche Alltagsszenen waren beliebt.
Themengruppen
Die Themengruppen, mit denen Hübner sich wiederholt beschäftigte, waren:
Meisterfeuerwerk (1853)
Als bedeutendstes Gemälde Hübners wurde das 1853 entstandene Bild Rettung aus Feuersgefahr angesehen. Darstellend eine Szene, in der ein Edelmann bei einer Feuersbrunst ein kleines Kind rettet. Diese Begeisterung kann man mittels des undeutlichen Reproduktionsbildes und der Farbskizze nicht mehr ganz nachvollziehen, aber das Gemälde entsprach voll und ganz dem Zeitgeschmack.
Aufgrund seiner Thematik und der fürs Genre untypischen Größe fand es jedoch keinen Käufer, wurde aber von den Kritikern mit Lob überhäuft.
So wurde Hübner aufgrund des Erfolgs dieses Bildes bei der Brüsseler Ausstellung zum Ritter des Leopoldordens ernannt. Ein fast zeitgleich gemaltes Gemälde Ludwig Knaus erhielt damals in Deutschland weit weniger euphorische Kritiken, weil es, im Gegensatz zu Hübners Gemälde, realistischer war.
Nicht, wie bei Hübner, sauber, ordentlich gekleidete Menschen, welche von einem reichen Fremden ihr Kind retten lassen, sondern geschockte, vom Brand überraschte und gezeichnete Menschen. Für diese Art von Realismus war das damalige deutsche Publikum noch nicht vorbereitet. Wohl einer der Gründe, warum Knaus im Gegensatz dazu in Frankreich, wo Revolutionen nicht nur angedacht, sondern erlebt wurden, größere Erfolge feierte.
Erfolge im Ausland
In Belgien beeindruckten Hübners Werke, auch in Holland, dem Land der Genremaler, wurden seine Verdienste anerkannt und er zum Ehrenprofessor in Amsterdam gewählt. Sein ausländischer Hauptabsatzmarkt waren jedoch die USA. Auch in Philadelphia wurde er zum Ehrenprofessor ernannt. Die Beziehung zu Amerika war nicht nur rein geschäftlicher Art, sondern auch familiärer Natur, da zwei seiner Söhne dorthin auswanderten. Dass Hübner extra Bilder für diesen Markt malte, kommt also nicht überraschend.
So zeigte er deutschen Auswanderern ein Stück alter Heimat
und den Amerikanern gab er ein Stück Deutschland, wie es der allgemeinen Vorstellung entsprach.
Kritik
Neben all diesen Erfolgen ernteten Hübners Werke aber auch immer häufiger saftige Kritik. Man warf ihm vor, zu viel, zu schnell, zu ähnlich zu malen. Die fast fabrikmäßige Herstellung - je mehr Personen, desto höher der Preis - beeinträchtigte die Qualität seiner Bilder. Die aktuelle Marktlage erlaubte keine aufwendigen neuen Kompositionen. Als Genremaler gab es keine goldene Nase mit Großaufträgen zu verdienen. Mit vielen kleineren Gemäldeverkäufen und dem Käuferkreis angepassten Themen, musste die Großfamilie Hübner ernährt werden. Warum sollte ein als erfolgreich erkanntes Motiv verkrampft auf einem folgenden Bild vermieden werden?
Ein Pseudokünstler wie Jackson Pollock schmierte sein Leben lang ein Muster auf die Leinwand. Da hört man solche Stimmen nicht. Aber den Kritikern, welche immer auf der Suche nach idealistischen Einzelkämpfern sind, war dies wohl zu profan.
Gleichzeitig warf man ihm vor, und indirekt der gesamten Düsseldorfer Schule, sich zu wenig auf das Wesentliche des Bildes zu konzentrieren. Die Bilder waren für manchen Geschmack zu sehr ausgemalt. So schrieb zum Beispiel Adolph Menzel 1836:
Arbeitsweise
Für einen Absolventen der Düsseldorfer Malerschule und Schüler Sohns war es selbstverständlich, die Gemälde genaustens vorzubereiten.
Die Kleidung der Personen sollten zeit- und ortsgerecht sein. Die Landschaften stimmig. Deshalb waren gemeinsame Urlaube von Künstlergruppen an der Tagesordnung. Sie dienten der Motivfindung. Im Falle Hübners unter anderem der detaillierten Aufzeichnung der Trachten verschiedenster Regionen.
Seine Arbeitsweise wird in einem Bericht über sein Atelier der Illustrierten Zeitung von 1854 deutlich:
Kriegszeit (60er Jahre)
Die 60er Jahre standen im Zeichen der Kriege (1864 Schleswig-Holstein, 1866 Österreich, 1870 Frankreich, außerdem der Sezessionskrieg in Amerika 1861-1865), welche letztendlich zur deutschen Einheit führten. Hübner, ein früher Befürworter der Einheit, ließ es sich nicht nehmen, Anteil an den Kriegsgeschehnissen zu nehmen. Dies natürlich in der Art eines Genremalers malerisch umgesetzt: Die in der Heimat verbliebenen empfangen einen Brief ihres geliebten Verwandten aus dem Kriegsgebiet. Dies nachfolgend im wiederverwendbaren Doppelpack:
Misserfolge (70er Jahre)
Sein letztes Jahrzehnt, die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts, standen für Hübner nicht mehr unter einem rosigen Stern. Die Jahre waren von Tragödien und Todesfällen im engsten Familienkreis überschattet.
Auch künstlerisch war seine Glanzzeit lange vorbei. Seine Genrebilder wurden in Europa als veraltet betrachtet und er war finanziell nicht mehr auf Rosen gebettet. So bittet Hübner in einem Brief von 1870 seinen Freund, den Journalisten Hermann Becker, um eine positive Besprechung seines neuen Gemäldes Seltenes Familienglück.
PR-Arbeit war für Hübner also kein Fremdwort.
Deutsch-Französische Aktion (1871)
Beim großen Brand 1871 sind weite Teile Chicagos niedergebrannt. Hübner war direkt davon betroffen, da sein Sohn dort als Kunsthändler arbeitete und viele Gemälde vernichtet wurden, auch einige Werke seines Vaters.
Statt den Kopf in den Sand zu stecken, organisierte Hübner für die Stadt Chicago eine große Spendenaktion, zu der 130 Künstler Werke einreichten. Zum Beispiel die damals sehr bekannten deutschen Künstler Sohn, Brüder Achenbach oder Knaus. Gleichzeitig schlossen sich unter der Federführung von Meissonier französische Künstler dieser Spendenaktion an. Cabanel, Gerome, Bouguereau oder Breton, um nur die bekanntesten zu nennen. Auch wenn der große Krieg der beiden Nationen erst ein Jahr vorüber war, war dies für die Künstler kein Hinderungsgrund. Die Auktion selber war ein finanzieller Erfolg, wobei die Franzosen mehr Geld einspielten als die Deutschen. Dies auch ein Zeichen des geänderten amerikanischen Geschmacks. Der genaue Verwendungszweck des Geldes ist bis heute unbekannt.
Die Vereine veranstalteten, im zeitlichen Abstand zur großen Akademieausstellung in Berlin, eigene Ausstellungen. Die Künstler wurden durch diese Verkäufe natürlich nicht reich, aber ihrem Bekanntheitsgrad kam dies sehr zugute. So auch durch graphische Reproduktionen, welche der Verein von vielen Gemälden anfertigen ließ.
Das alles geschah zu einer Zeit, als private Galerien noch ohne Bedeutung waren.
Laut Schätzung gingen ungefähr 50 Prozent der 1840 verkauften Gemälde an die Kunstvereine.
Unterstützungsverein (seit 1844)
Hübner war Mitglied im Kunstverein, wie fast alle anderen Künstler auch. Aufgrund der engen personellen Verflechtung mit der Akademie fühlten sich jedoch die Maler niedrigerer Gattungen, wie Hübner als Genremaler, nicht ausreichend vertreten. So kam es 1844 zur Gründung des Vereins Düsseldorfer Künstler zur gegenseitigen Unterstützung und Hilfe, kurz Künstlerunterstützungsverein. Hübner war Gründungsmitglied und später, zusammen mit Lessing oder Hasenclever, zeitweise Verwaltungsmitglied. Er blieb dem Unterstützungsverein sein Leben lang treu.
Im Gegensatz zum Kunstverein waren nur Künstler zugelassen. Ziel war die finanzielle, bürokratische und rechtliche Unterstützung von bedürftigen Künstlern oder Hinterbliebenen und ein koordiniertes Vorgehen bei der Beschickung von Ausstellungen, um ein Gegengewicht zu dem Ausstellungsmonopol der Akademie bzw. des Kunstvereins zu erlangen. Die Organisation der Ausstellungsbeschickung war mehrere Jahre in der Hand Hübners. Da dies aber zu zeitaufwendig war, reichte er die Fackel der Organisation weiter.
Bemerkenswert ist, dass die Auseinandersetzung zwischen freien Künstlern und der Akademie meist auf rein sachlicher Ebene ausgefochten wurde. So war Akademiedirektor Schadow ebenfalls einer der Gründer des Unterstützungsvereins oder Hübner Zeit seines Lebens voller Lob für seinen Lehrer Sohn. Sachliche Kritik nebst persönlicher Freundschaft war für die Herren damals kein Problem.
Der Durchbruch (1844)
Seinen großen Durchbruch erreichte er 1844 mit dem Bild Die schlesischen Weber. Dargestellt ist das herzlose Regiment eines Kaufmanns gegenüber den einfachen Webern. In ihrer Hoffnung auf einen angemessenen Preis für ihr Leinen sind sie ganz der Willkür des Kaufmanns ausgeliefert. Doch, wie im Gemälde Hübners dargestellt, wurden die Hoffnung zu oft enttäuscht und ganze Familien in den Abgrund gestoßen.
Dieses Bild bewirkte eine Aufruhr, die heute kaum mehr verständlich ist. Da nachfolgend Aufstände unter den schlesischen Webern ausbrachen, wurde dieses Bild als prophetisch für die jeweiligen Interessen vereinnahmt. Hübner galt von nun an als ein Maler am Puls der Zeit, als der Maler sozialthematischer Bilder. Das dies jedoch bei weitem übertrieben war und nicht in der Absicht Hübners lag, wird Frau Landes nicht müde zu beschreiben.
Hier in Kurzform ein paar Fakten:
- Die Problematik der Weber war schon vor Hübners Bild bekannt. In Zeitungen wurde aktuell über dieses Thema berichtet und es war natürlich auch Hübner geläufig.
- So ist auf dem Taschentuch des Kaufmanns eine 20 eingraviert, verweisend auf einen Herr Zwanziger, damals wohl als Halsabschneider weithin berüchtigt.
- Die Zeitströmung in der Zeit des Vormärz wird von der Autorin als wahrer Sozialismus beschrieben. In der Praxis bedeutet dass ein gemäßigtes Vorgehen in kleinen Schritten, Nächstenliebe und -hilfe, keine radikalen politischen oder sozialen Änderungen. Da solch ein Gedankengut nicht mit konkreten Ziele verbunden war, gab es auch kein Sammelbecken einer 'wahrsozialen' Partei, sondern nur viele kleine Tropfen auf dem heißen Stein.
- Hübners Gemälde der Weber entstand nicht im luftleeren Raum, sondern wurde von ihm explizit als Ausstellungsobjekt einer Spendenaktion für die schlesischen Weber gemalt. Keine Prophezeiung, sondern ein Werk eines pragmatischen, im bürgerlichen Lager stehenden Anhängers gemäßigter sozialer Ideen.
- In der Zeit vor und nach diesem Bild gab es nur wenige sozialthematische Bilder Hübners, so das Jagdrecht von 1846 oder die Wohltätigkeit in den Hütten der Armen des Jahres 1846 als Fortsetzung des Weberbildes, jedoch diesmal mit offensichtlich positivem Ausgang.
- Eine der Gründe für die Bedeutung des Weberbildes ist ein oft zitierter übertriebener Ausspruch Friedrich Engels:
Lassen sie mich bei dieser Gelegenheit ein Bild von Hübner, einem der besten deutschen Maler, erwähnen, das wirksamer für den Sozialismus agitiert hat als hundert Flugschriften...
Leichter Zwischengang (1844)
Das Hübner auch schon zu dieser Zeit auch leichte Kost malte, zeigt zum Beispiel das zeitlich zwischen den Webern und dem nachfolgenden Jagdrecht liegende Gemälde Der neue Lehrbursche von 1844. Dargestellt wird die Vorstellung des neuen Lehrjungen beim Dorfschmied.
Auf der Erfolgswelle (1846)
Das zeitlich dem Weber folgende sozialthematische Gemälde, Das Jagdrecht von 1846, spielt an auf das damals noch geltende, aber kritisch angesehene alleinige Jagdrecht des Adeligen auf seinen Ländereien. Zuwiderhandlung wurden im Extremfall bis zur Erschießung geahndet.
Solch eine Situation ist auch auf diesem Gemälde beschrieben. Ein Schwein liegt tot auf dem Boden, wohl gejagt von zwei einfachen Männer. Einer der beiden ist angeschossen. Sie sind auf der Flucht vor dem Grundbesitzer ins rettende Haus.
Die Handlung wird vollständig verständlich, wenn man berücksichtigt, dass dieses Gemälde bis ins Detail auf einem Gedicht von Hübners Freund Wolfgang Müller von Königswinter: Jagdrecht (1845) basiert. Dann wird klar, dass es eine Anklage gegen das bestehende Jagdrecht ist. Not und Hunger zwangen die beiden Männer zu ihrer Tat, die der angeschossene Vater mit dem Leben bezahlen wird.
Des Reichen Säu'n und Hirschen - Gibt Fraß des Armen Land; - Er nahm mit Zähneknirschen - Die Büchse von der WandDas Gemälde in dieser Zeit auf literarischen Vorlagen beruhten war keine Seltenheit, sondern entsprach den Konventionen der Akademie. So äußert Schadow 1828, dass ein Kunstwerk nur
...Noch wühlte in den Schollen - Mit ihrer Brut die Sau: - Die Aerndte geht verloren, - Kartoffeln, Klee und Korn,- Hast vorig Jahr gefroren, - So hung're denn von vorn,
...Die schmucken Jäger kehren - Und rühmen sich der That: Man muß das Volk belehren, - Dies Beispiel dien' als Rath! - Indessen ist gebrochen- Ein Aug' in stillem Schmerz,- Für Weib und Kinder pochen - Wird nimmermehr dies Herz.
beseligendwirken könne, wenn es einer
dichterischen Idee in Form und Farbe giebt.Dieses Jagdbild war so berühmt, dass Hübner mehrere Versionen davon schuf – darunter eine für Müller von Königswinter selbst. Das Original wurde in einer Städtetour in vielen deutschen Gemeinden gezeigt und erntete überall Anerkennung.
Auswanderthema (ab 1846)
Mehrfach, vor und nach 1848, malte Hübner Auswander-Bilder. Oft ist der Abschied von der Heimat dargestellt. Auch dieses Thema ist nicht vollständig der Imagination Hübners entsprungen, sondern basiert in der 1846 Version wiederum auf einem Gedicht seines Freunds Müller von Königswinter, Auswanderer von 1842.
Carl Wilhelm Hübner: Abschied der Auswanderer von ihrer Heimat (1846)
Öl auf Leinwand - 127 x 163,5 cm
Öl auf Leinwand - 127 x 163,5 cm
Der Abschied schmerzt, doch thut er noth, - Der Heimatboden ist zu hart, - Trotz Schweiß und Fleiß gibt er kein Brod.
...Und treulich wahren wir den Muth, - Die Kraft gesund, die Sitte schlicht, - Die Ehrlichkeit bleibt unser Gut, - Deutsch bleibt der Laut, den Jeder spricht.
Hier klingt noch Kritik an den schlechten Verhältnissen in Deutschland an, welche die Vaterlandsliebende arme Bevölkerung ins Ausland trieb. In den Zeiten nach 1848 wandelte sich die Auswanderungsbewegung, so dass häufig nicht mehr ein wirtschaftlicher Zwang, sondern die Hoffnung auf eine große Karriere zur Auswanderung nach Amerika führte, wie später bei Hübners Söhnen.
Märzrevolution (1848)
Die 1848 Revolutionen hinterließen keinen bleibenden Eindruck auf Hübner. Er sympathisierte mit den Aufständischen, mehr aber auch nicht. Zitat aus einem Brief von 2. April 1848:
Das Bild ist von hier mit allen übrigen zur Ausstellungen bestimmten Bildern nach Berlin abgegangen und ich war in ziemlicher Sorge darüber, es verloren zu haben. Die Kisten laufen in diesen unruhigen Tagen in Berlin ein und hätten eine günstige Barrikade abgegeben. Ich hatte mich schon getröstet auf indirekte Weise etwas beigetragen zu haben.
Malkasten (ab 1848)
Hübners Einkommen entsprach Mitte der 40er Jahre ungefähr dem Einkommen eines Akademieprofessors, er konnte sich also nicht beklagen. Spätestens nach den Unruhen von 1848 verschlechterte sich die Situation wieder. Was macht der gute 48er in so einem Fall? Genau, er gründet einen Verein. Davon kann es ja nicht genug geben. Dieses mal den Malkasten in Düsseldorf. Hübner leitete über Jahre als Vorsitzender die Geschicke dieser Vereinigung. Dessen ursprüngliches Hauptanliegen war das gesellige Beisammen der Künstler.
Erst mach dein Sach, dann trink und lach.Umzüge, Feste und lebende Bilder gehörten zum Alltag des Malkastens von Anfang an dazu.
Aber neben dem Spaß und der Unterhaltung stand als Leitbild des Vereins immer die nationale Einheit im Vordergrund.
Dies führte unter anderem dazu, dass von Düsseldorf ausgehend, noch weit vor der politischen Einheit 1870, 1858 eine gesamtdeutsche Kunstgenossenschaft mit Hübners Beteiligung gegründet wurde.
Dorfgeschichten (vor allem ab 1848)
Dorfgeschichten nahmen vor und vor allem nach 1848 einen großen Raum in Hübners Schaffen ein.
Nach den Märzunruhen versank das Land in einen langen Schlaf bis an das Ende der 60er Jahre. Die revolutionären Gedanken der 48er waren schnell beiseite gelegt und ersetzt durch den Glauben an eine Reform der kleinen Schritte. Menzels und Hasenclevers große Gemälde aus dieser Zeit, Aufbewahrung der Märzgefallenen und Abschied des Bürgerwehrmannes, blieben unvollendet.
Die Kunstwelt kam aus ihrer elitären Nische hervor und wurde massenkompatibel. Die Düsseldorfer Zeitung bekam 1845 ihren ersten Kunst- und Literaturteil. Tiefergehende Bildungskenntnisse voraussetzende, idealisierende Darstellungen waren für das neue bürgerliche Publikum ungeeignet. Klar verständliche Bildaussagen mit leicht überzeichneten Emotionen hingegen waren viel besser geeignet. Das Publikum wollte keine romantisch- weltfremden Ritter und Edelfrauengemälde der Schadow-Schule sehen, sondern etwas Realistischeres. Dies bedeutete beim damaligen Publikumsgeschmack meist eine abgemilderte, idealisierte Form der Realität. Der
Mist an den Kleidern und Stiefelnwar vielleicht Sache eines Defregger
aber weniger Hübners bürgerlicher, biedermeierscher Klientel, welche nach bescheidenem Wohlstand und heiler Familienwelt strebte. Das Publikum wollte Mitleid verdienende, edle Proletarier sehen und Hübner lieferte.
Schöne Genrebilder für die Wohnzimmerwand waren gefragt und wurden geliefert.
Ein Unglück oder Drama sollte keine großen sozialen Fragen behandeln, sondern immer auf Ebene des Einzelfalls oder des Zufalls bleiben.
Klar verständliche Alltagsszenen waren beliebt.
Themengruppen
Die Themengruppen, mit denen Hübner sich wiederholt beschäftigte, waren:
- Brand und Feuer
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| Carl Wilhelm Hübner: Nach der Feuersbrunst (1852) Öl auf Leinwand (55 x 47,5 cm) |
- Trauer und Gebet
- See und ihre Menschen
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| Carl Wilhelm Hübner - Heimkehr des jungen Seemanns (1859) Öl auf Leinwand (79 x 105 cm) |
- Frauen in Liebesglück oder Kummer
- Heirat und Familienzuwachs
Carl Wilhelm Hübner: Die Besichtigung des Neugeborenen / An der Wiege (1854)
Öl auf Leinwand - 55,5 x 65,5 cm
Öl auf Leinwand - 55,5 x 65,5 cm
Carl Wilhelm Hübner: Er muss doch nachgeben / Die schwierige Brautwerbung (1855)
Öl auf Leinwand - 81 x 105 cm
Öl auf Leinwand - 81 x 105 cm
- Alltagsgeschichten
Meisterfeuerwerk (1853)
Als bedeutendstes Gemälde Hübners wurde das 1853 entstandene Bild Rettung aus Feuersgefahr angesehen. Darstellend eine Szene, in der ein Edelmann bei einer Feuersbrunst ein kleines Kind rettet. Diese Begeisterung kann man mittels des undeutlichen Reproduktionsbildes und der Farbskizze nicht mehr ganz nachvollziehen, aber das Gemälde entsprach voll und ganz dem Zeitgeschmack.
Aufgrund seiner Thematik und der fürs Genre untypischen Größe fand es jedoch keinen Käufer, wurde aber von den Kritikern mit Lob überhäuft.
Der Künstler verschmähte es, durch auffallendes Farbenspiel, grelle Beleuchtung, wie man es bei dem Gegenstande wähnen sollte, Wirkung hervorzuheben, sondern erzielte sie vielmehr durch ergreifende Poesie des Vortrags. (August Hagen 1858)oder
monotone..., trübe.. und bräunlichrote... Colorit..., bewirkt durch den im ganzen Bildraum sich verteilenden Brandrauch. Meisterwerk, ... eine bewunderswerthe, unnachahmliche Arbeit. (Vossische Zeitung 1854)
So wurde Hübner aufgrund des Erfolgs dieses Bildes bei der Brüsseler Ausstellung zum Ritter des Leopoldordens ernannt. Ein fast zeitgleich gemaltes Gemälde Ludwig Knaus erhielt damals in Deutschland weit weniger euphorische Kritiken, weil es, im Gegensatz zu Hübners Gemälde, realistischer war.
Nicht, wie bei Hübner, sauber, ordentlich gekleidete Menschen, welche von einem reichen Fremden ihr Kind retten lassen, sondern geschockte, vom Brand überraschte und gezeichnete Menschen. Für diese Art von Realismus war das damalige deutsche Publikum noch nicht vorbereitet. Wohl einer der Gründe, warum Knaus im Gegensatz dazu in Frankreich, wo Revolutionen nicht nur angedacht, sondern erlebt wurden, größere Erfolge feierte.
Erfolge im Ausland
In Belgien beeindruckten Hübners Werke, auch in Holland, dem Land der Genremaler, wurden seine Verdienste anerkannt und er zum Ehrenprofessor in Amsterdam gewählt. Sein ausländischer Hauptabsatzmarkt waren jedoch die USA. Auch in Philadelphia wurde er zum Ehrenprofessor ernannt. Die Beziehung zu Amerika war nicht nur rein geschäftlicher Art, sondern auch familiärer Natur, da zwei seiner Söhne dorthin auswanderten. Dass Hübner extra Bilder für diesen Markt malte, kommt also nicht überraschend.
So zeigte er deutschen Auswanderern ein Stück alter Heimat
und den Amerikanern gab er ein Stück Deutschland, wie es der allgemeinen Vorstellung entsprach.
Carl Wilhelm Hübner: Die Stunde der Andacht (1869)
Öl auf Leinwand - 112 x 98 cm
Carl Wilhelm Hübner: Die Sonntagslektüre in der holländischen Stube (1856)
Öl auf Leinwand - 47 x 39 cm
Öl auf Leinwand - 112 x 98 cm
Carl Wilhelm Hübner: Die Sonntagslektüre in der holländischen Stube (1856)
Öl auf Leinwand - 47 x 39 cm
Kritik
Neben all diesen Erfolgen ernteten Hübners Werke aber auch immer häufiger saftige Kritik. Man warf ihm vor, zu viel, zu schnell, zu ähnlich zu malen. Die fast fabrikmäßige Herstellung - je mehr Personen, desto höher der Preis - beeinträchtigte die Qualität seiner Bilder. Die aktuelle Marktlage erlaubte keine aufwendigen neuen Kompositionen. Als Genremaler gab es keine goldene Nase mit Großaufträgen zu verdienen. Mit vielen kleineren Gemäldeverkäufen und dem Käuferkreis angepassten Themen, musste die Großfamilie Hübner ernährt werden. Warum sollte ein als erfolgreich erkanntes Motiv verkrampft auf einem folgenden Bild vermieden werden?
Ein Pseudokünstler wie Jackson Pollock schmierte sein Leben lang ein Muster auf die Leinwand. Da hört man solche Stimmen nicht. Aber den Kritikern, welche immer auf der Suche nach idealistischen Einzelkämpfern sind, war dies wohl zu profan.
Gleichzeitig warf man ihm vor, und indirekt der gesamten Düsseldorfer Schule, sich zu wenig auf das Wesentliche des Bildes zu konzentrieren. Die Bilder waren für manchen Geschmack zu sehr ausgemalt. So schrieb zum Beispiel Adolph Menzel 1836:
... wie wenig die Düsseldorfer den Sinn für ... die verschiedenen Grade der Detaillierung nach der größeren oder geringeren Wichtigkeit der Gegenstände ausgebildet haben.
Arbeitsweise
Für einen Absolventen der Düsseldorfer Malerschule und Schüler Sohns war es selbstverständlich, die Gemälde genaustens vorzubereiten.
Die Kleidung der Personen sollten zeit- und ortsgerecht sein. Die Landschaften stimmig. Deshalb waren gemeinsame Urlaube von Künstlergruppen an der Tagesordnung. Sie dienten der Motivfindung. Im Falle Hübners unter anderem der detaillierten Aufzeichnung der Trachten verschiedenster Regionen.
Seine Arbeitsweise wird in einem Bericht über sein Atelier der Illustrierten Zeitung von 1854 deutlich:
In der Mitte seines Ateliers steht die Staffelei und in der Regel findet man Personen oder anderer Gegenstände malerisch gruppirt: denn Hübner malt stets nach der Natur, um durch beständige frische Anschauungen die volle Frische auf die Bilder zu übertragen. Möbel jeder Art, aus verschiedenen Zeiten und Moden, stehen dicht zu den Wänden, und selbst die Tische und Schränke, wie die Stühle, sind mit Gewändern, Waffen, Schmuck und Geräthen bedeckt... und höchst malerisch sind zwei Palmen neben dem Diwan.
Kriegszeit (60er Jahre)
Die 60er Jahre standen im Zeichen der Kriege (1864 Schleswig-Holstein, 1866 Österreich, 1870 Frankreich, außerdem der Sezessionskrieg in Amerika 1861-1865), welche letztendlich zur deutschen Einheit führten. Hübner, ein früher Befürworter der Einheit, ließ es sich nicht nehmen, Anteil an den Kriegsgeschehnissen zu nehmen. Dies natürlich in der Art eines Genremalers malerisch umgesetzt: Die in der Heimat verbliebenen empfangen einen Brief ihres geliebten Verwandten aus dem Kriegsgebiet. Dies nachfolgend im wiederverwendbaren Doppelpack:
Carl Wilhelm Hübner: Die gute Nachricht (1865)
Öl auf Leinwand - 90 x 110 cm
Öl auf Leinwand - 90 x 110 cm
Lincoln durch Kaiser Wilhelm I ersetzt und schon ist Hübner wieder am Puls der Zeit.
Misserfolge (70er Jahre)
Sein letztes Jahrzehnt, die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts, standen für Hübner nicht mehr unter einem rosigen Stern. Die Jahre waren von Tragödien und Todesfällen im engsten Familienkreis überschattet.
Auch künstlerisch war seine Glanzzeit lange vorbei. Seine Genrebilder wurden in Europa als veraltet betrachtet und er war finanziell nicht mehr auf Rosen gebettet. So bittet Hübner in einem Brief von 1870 seinen Freund, den Journalisten Hermann Becker, um eine positive Besprechung seines neuen Gemäldes Seltenes Familienglück.
Carl Wilhelm Hübner: Seltenes Familienglück (1870)
Öl auf Leinwand - 130 x 160 cm
Öl auf Leinwand - 130 x 160 cm
Hat es meinen Beifall, so geht meine Bitte dahin weiter, darüber in der Cölnischen Zeitung, der du angehörst, zu schreiben. Wenn du dich dazu entschließen kannst, so wird solches, wie du das machst, für meine Zukunft so wohl hier, wie in Amerika, wohin die meisten meiner Bilder wandern, von großer Bedeutung sein.
PR-Arbeit war für Hübner also kein Fremdwort.
Deutsch-Französische Aktion (1871)
Beim großen Brand 1871 sind weite Teile Chicagos niedergebrannt. Hübner war direkt davon betroffen, da sein Sohn dort als Kunsthändler arbeitete und viele Gemälde vernichtet wurden, auch einige Werke seines Vaters.
Statt den Kopf in den Sand zu stecken, organisierte Hübner für die Stadt Chicago eine große Spendenaktion, zu der 130 Künstler Werke einreichten. Zum Beispiel die damals sehr bekannten deutschen Künstler Sohn, Brüder Achenbach oder Knaus. Gleichzeitig schlossen sich unter der Federführung von Meissonier französische Künstler dieser Spendenaktion an. Cabanel, Gerome, Bouguereau oder Breton, um nur die bekanntesten zu nennen. Auch wenn der große Krieg der beiden Nationen erst ein Jahr vorüber war, war dies für die Künstler kein Hinderungsgrund. Die Auktion selber war ein finanzieller Erfolg, wobei die Franzosen mehr Geld einspielten als die Deutschen. Dies auch ein Zeichen des geänderten amerikanischen Geschmacks. Der genaue Verwendungszweck des Geldes ist bis heute unbekannt.
Letzter Höhepunkt (1874)
Eine der letzten Höhepunkte in Carl Wilhelm Hübners Leben war die lang ersehnte USA Reise 1874. Die Düsseldorfer Schule galt noch bis Anfang der 1860er Jahre als das Mekka der Malerei. Viele Amerikaner, oder später nach Amerika übergesiedelte Künstler wie Emanuel Leutze oder Albert Bierstadt, genossen in Düsseldorf ihre Ausbildung.
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| Carl Wilhelm Hübner - Belauscht (1874) Öl auf Leinwand (105 x 127 cm) |
Hübner, der den amerikanischen Markt Zeit seines Lebens hegte und pflegte, besaß auch noch in den 70er Jahre einen hervorragenden Ruf. Nach eigener Aussage gingen in diesen Jahren die meisten seiner Bilder in die USA. Dort wurde er allerorten begeistert empfangen. Zitat ADB Artikel von 1881:
Künstler und Kunstfreunde beeiferten sich in allen Städten, die er besuchte, die glänzendsten Feste ihm zu Ehren zu veranstalten, wobei ihm seine rhetorische Begabung und gesellschaftliche Talente sehr zu statten kamen.
Mensch Hübner
Hübner war ein Familienmensch und glücklich verheiratet. Er war sehr gesellig, hilfsbereit und bescheiden. Das Schreiben war nicht sein Ding, eher das Reden.
Der Maler war ein tatkräftiger Mensch, der sein Schicksal selbst in die Hand nahm. Gründer und aktives Mitglied vom Unterstützungsverein und dem Düsseldorfer Malkasten schmückten seine Vita. Er war ein Macher. Hübner setzte sich für Urheberrechtsfragen und Einkommenssteuerbefreiung ein, kümmerte sich um Sponsoren und Spendenaktionen, organisierte Wohltätigkeitsveranstaltungen und Vereinsveranstaltungen. Die Ausstellungsbeschickung samt Transport war lange Zeit in seinen Händen. Außerdem verhandelte er in Fragen vorteilhafterer Gemäldehängung und machte sich auf die Suche nach neuen Käuferschichten.
Ende (1879)
Hübner starb 1879 und hinterließ in künstlerischer Hinsicht keine Nachfolger, die sich direkt auf ihn beziehen. Sein Sohn Julius, nicht zu verwechseln mit dem Maler Rudolf Julius Benno Hübner, war sein einziger Schüler. Er aber verstarb noch vor seinem Vater Ende 1874.
Fazit
Hübner war kein Maler der ersten Riege der Düsseldorfer Malerschule. Mir gefallen seine Bilder meist, da man kurzfristig in eine kleine andere Welt abtauchen kann. Als Freund detailliert ausgemalter Bilder ist man bei den Düsseldorfern an der richtigen Adresse. So auch bei Carl Wilhelm Hübner.










































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