Montag, 19. Januar 2009

Gebhardt entdeckt Boris Beckers Vorfahr

Van Gogh verschwindet in den Akten

Vincent van Gogh: Selbstbildnis (1887)

Boris Beckers leichte Ähnlichkeit mit Vincent van Gogh ist wohl bekannt.
Aber alle Spekulationen, dass er ein Vorfahr von ihm sein soll, können nun getrost beendet werden.

Vorfahr gefunden
Denn ich bin einer ganz anderen heißen Fährte gefolgt und habe DEN Vorfahren von Boris Becker entdeckt. Es ist nicht irgendjemand zu irgendeiner Zeit. Nein. Er ist ein Zeitgenosse und Anhänger Jesus gewesen. Ja, wirklich. Dies kann ich belegen. Bitte folge mir. Und wer die ketzerische Frage stellt, was ein rothaariger Deutscher zu Beginn unserer Zeitrechnung in Palästina zu suchen hat, auch dem sei das Weiterlesen empfohlen.

Dokument gesichtet

Eduard von Gebhardt: Die Auferweckung des Lazarus (1896)
Öl auf Holz - 117 x 160 cm

Wie bin ich an dieses Dokument gekommen? Ganz einfach. Ich entdeckte den Vorfahren auf einem Gemälde von Eduard von Gebhardt, "Die Auferweckung des Lazarus" aus dem Jahre 1896.

Eduards Bio
Gebhardt ist ein typischer Vertreter der zu Unrecht von der modernen Kunstgeschichtsschreibung ignorierten akademischen Maler des 19. Jahrhunderts.

Eduard von Gebhardt wurde 1838 als Sohn eines Pfarrers in St. Johannes(Järva Jaani), dem heutigen Estland geboren, welches damals deutsches Gebiet war. Dort wurde er im strengen protestantischen Glauben erzogen, den er Zeit seines Lebens behielt.
Deshalb wundert es nicht, dass sein Hauptwerk religiösen Inhalts war.
Nach seiner Schulzeit in Reval besuchte er drei Jahre die Akademie in St. Petersburg, unternahm mehrere Studienreisen und landete 1860 in die Stadt, der er den Rest seines Lebens verbunden blieb. Düsseldorf.
Dort wurde er 1860 Schüler Wilhelm Sohns und nach einigen Erfolgen 1873 selber Professor an der Kunstakademie. Nach einem langen Künstlerleben verstarb er 1925 in Düsseldorf. Soweit seine Kurzbiografie.

Die Tausend Auferstehungen des Lazarus
Nun zu dem Bild selber.

Dargestellt ist eine dramatische Geschichte aus dem Johannesevangelium, die Auferweckung Lazarus.

Diese Szene ist im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gemalt worden (Linksammlung).
Mehr oder weniger bekannte Berühmtheiten wie Giotto, Del Pimbo, Caravaggio, Rembrandt oder eben Gebhardt haben dies Bibelstelle als Bildthema geschätzt.

Sebastiano del Piombo: Die Auferweckung des Lazarus (1519)

Rembrandt van Rijn: Die Auferweckung des Lazarus (um 1630)

Mir gefällt von allen Fassungen Gebhardts Version am besten. Grund ist die feine, individualisierende Darstellung wirklicher, mit Blut gefüllter Menschen. Nicht, wie zum Beispiel bei den Nazarenern, eine eher 'ideale' (wessen Ideal dies auch immer sein mag), oft leblos wirkende Natur, sondern Menschen mit klar erkennbaren Fehlern und Schwächen. Diese Art von Realismus bestimmte schon zu Lebzeiten Gebhardt die Kritik, aber für jemanden, der mit den religiösen Werten selber nichts verbindet, ist dies kein Hinderungsgrund.

Ansonsten beeindruckt aus meiner Sicht nur noch die düstere Version Rembrandts.

Worum gehts?
Zur Handlung. Die Geschwister Marta, Maria und Lazarus sind Freunde Jesus. Marta ist die geschäftigere, häuslichere der beiden Schwestern. Maria eher dem Glauben und der Andacht Jesus verhaftet. Eines Tages erkrankt ihr Bruder schwer und sie schicken Jesus die Botschaft, schnell zur Hilfe zu eilen. Er erscheint, jedoch zu spät. Vier Tage ist Lazarus schon tot. Die Vorwürfe der Schwestern, dass er ihren Bruder hätte retten können, wenn er früher erschienen wäre, lassen Jesus nicht unberührt.
Sie gehen gemeinsam zu dem Grab, eine mit einem Stein verschlossene Höhle. Dort waren viele Menschen versammelt, die um den Toten trauerten. Jesus ließ den Stein entfernen und bewirkte das Wunder der Auferstehung. Soweit die Geschichte in einfacher Kurzform. Wer genaueres zu diesem Thema erfahren möchte, kann dies zum Beispiel unter folgendem Link vertiefen.

Zeitspiele
Eduard von Gebhardt packte dieses Thema in einer für ihn typischen Art an. Er versetze die Szene in die Zeit der Reformation in deutsche Lande. Diese künstlerische Freiheit begründeter er mit

Wir lesen die heilige Geschichte in Luthers Sprache; sollten wir die heiligen Gestalten nicht auch in der Tracht aus Luthers Zeit darstellen dürfen?

Dies ist nichts Außergewöhnliches, da zu allen Zeiten Künstler Szenen der Vergangenheit mit Personen ihres Zeitalters und der Kleidung ihrer Region gestaltetet haben. So auch Gebhardt.

Wir sehen keine Höhle im Fernen Osten, sondern einen Friedhof in einer typisch deutschen Landschaft.
Ein glühender Himmel hüllt die Szene in ein magisches Gewand. Es herrscht Ruhe unter den Trauernden, welche das gerade geschehene Wunder verarbeiten müssen.
Nur Jesus steht selbstbewusst im Zentrum des Bildes, mit dem Finger in den Himmel weisend.
Er ist der Mittelpunkt der Komposition. Die Spitze der Pyramide, welche Maria, Jesus und die beiden vorderen Helfer bilden. Außerdem ist Jesus der Kreuzpunkt der links und rechts auf ihn zulaufenden Diagonale, welche durch die beiden Personengruppen gebildet wird.

Malerische Detailvielfalt
Malerisch sind die verschiedenen Gesichtszüge und Gesten der Anwesenden auf höchstem Niveau dargestellt.

Eduard von Gebhardt: Ausschnitt - Die Auferweckung des Lazarus (1896)

Das ängstliche, kleine Mädchen links, welches Sicherheit am Rockzipfel seiner Mutter sucht.

Eduard von Gebhardt: Ausschnitt - Die Auferweckung des Lazarus (1896)

Die Männer und Frauen der Gruppe neben ihr sind voller Leben dargestellt. Einer der Männer ist geblendet von dem Licht des Wunders. Er schützt seine Augen. Es ist nicht irgendwer, sondern der Maler selber.

Eduard von Gebhardt: Ausschnitt - Die Auferweckung des Lazarus (1896)

Vor Jesus niederkniend die beiden Schwestern Marta und Maria. Maria, mit langem Haar, weinend vor religiöser Verzückung und Glück.

Eduard von Gebhardt: Ausschnitt - Die Auferweckung des Lazarus (1896)

Marta, hinter ihr, noch fassungslos Jesus erblickend. Auch sie ist keine Unbekannte, da Gebhardt seine zu diesem Zeitpunkt todkranke Frau als Marta ein letztes Denkmal setzte.

Eduard von Gebhardt: Ausschnitt - Die Auferweckung des Lazarus (1896)

Der gerade neu zum Leben erweckte Lazarus (eine gewisse Ähnlichkeit zu der MAD Figur Alfred E. Neumann ist ihm nicht abzusprechen, aber das ist eine andere Geschichte...), der nicht weiß, wie ihm geschieht, ist sehr gelungen gemalt. Ich habe noch nie eine Leiche nach vier Tagen gesehen, vor allem keine neu zum Leben erweckte. Aber sie sieht, im Vergleich zu den anderen im Web zu findenden Lazarusdarstellungen, realistischer aus. So stelle ich mir dies auf jeden Fall vor.

Der fehlende Boris

Halt, fast hätte ich es vergessen. Es geht hier doch um den Vorfahren des berühmten Boris Becker.

Eduard von Gebhardt: Ausschnitt - Die Auferweckung des Lazarus (1896)

Et voilà, hier ist er: Als ob man den jungen Boris leibhaftig vor sich hätte. Also, habe ich zu viel versprochen?

Eingeständnis
Leider muss ich jedoch eingestehen, mit dem Alter des Becker-Vorfahren um 1900 Jahre geflunkert zu haben. Er ist leider ein Zeitgenosse des späten 19. Jahrhunderts, verkleidet in einem Kostüm der Lutherzeit, darstellend einen Zeitgenossen Jesus.

Nicht ganz so beeindruckend ist dies, aber immerhin kannte ihr Vorfahr den großen Maler Eduard von Gebhardt. Und das ist doch auch schon was, oder Herr Becker?

Nachtrag
Wer Augen hat der sehe. Und ich habe ihn nicht gesehen, aufmerksame Betrachter im Internet schon. Denn links von Boris Becker ist auch noch der junge Günther Jauch zu finden. Sachen gibts...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.