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Ferdinand Theodor Hildebrandt, Die Ermordung der Söhne Eduards, 1835 |
Eng aneinander geschmiegt, einer in den Armen des anderen liegend, schlafen die beiden Kinder des verstorbenen Königs Eduard IV. den Schlaf der Gerechten. Neben ihnen liegt ein Gebetsbuch und ein Rosenkranz, der scheinbar kurz bevor die Augen zufielen, von ihnen noch benutzt wurde.
Jedoch sind die beiden unschuldigen Knaben nicht allein. Zwei finster dreinblickende Männer sind zu dieser späten Stunde in ihre Kammer eingedrungen. Einer der beiden hat den Vorhang beiseite geschoben, der andere mit einem kräftigen Griff die Decke entfernt. Das Bild zeigt den Augenblick, in dem die beiden Erwachsenen innehalten und die schlafenden Kinder betrachten. Was jetzt geschieht, lässt sich erahnen, da eine Hand des linken Mannes fest einen Dolch umklammert.
Beschrieben ist hier eine Szene aus
Shakespeares Tragödie
Richard III. Richard hatte die Königskrone an sich gerissen, obwohl die beiden Kinder des früheren Königs Eduard IV. die eigentlichen Erben waren. Aus Angst vor zukünftigen Rachetaten wurden die beiden Kinder von Richard III. in den Tower gesperrt und später ermordet. Was
wirklich in dem Tower mit ihnen geschah, konnte von den Historiker nicht eindeutig geklärt werden.
Diese schaurige Szene setzten mehrere große Maler in Szene. Die wohl bekannteste Fassung ist die vier Jahre frühere
Version von
Paul Delaroche.
Was hat dies alle mit Lehrern, Modeln und ungeliebten Bärten zu tun?
Ich lese gerade in dem Buch '
Kunstwerke und Kunstansichten' von
Johann Gottfried Schadow (teilweise mühsam zu lesen, aber für einen Kunstgeschichte interessierten Leser geeignet, vor allem aufgrund der sehr ausführlichen Kommentare). Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, es ganz zu lesen. Mal sehen, ob ich es schaffe. Dort erwähnt Schadow eine Begebenheit zur Berliner Akademie-Ausstellung 1834. König Friedrich Wilhelm IV. besuchte die Ausstellung in Begleitung von J.G. Schadow. Eines der Bilder ist ein Porträt des Malers
Jakob Becker gemalt von
Schadows Sohn Wilhelm. Becker ist mit einem für die damalige Zeit neumodischen und politisch inkorrekten Bart abgebildet. Zum Kauf angepriesen, wurde es vom König mit dem nicht ganz praktikablen Kommentar abgelehnt:
"Erst den Bart abscheren"
Das waren noch Zeiten. Aber ich vermute, die Ehre des Künstlers war am Ende doch stärker als der Wille des Königs. Vielleicht hatte sich Becker diesen Bart nur wachsen lassen, weil er wahrscheinlich für einen der beiden Mörder (der Rechte, siehe
Radierung) in Hildebrands Gemälde Model stand. Und nun vermasselt dieser Bart seinem Lehrer, Wilhelm von Schadow, den Verkauf an den König.
Und die Moral von der Geschicht: Modell mit Bart nicht.
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