Freitag, 26. Dezember 2014

Hamburger Kunsthalle - Teil 1

Gebäude

Eine der schönsten Sammlungen der Kunst des 19. Jahrhunderts besitzt die Hamburger Kunsthalle.
Seit Mitte des Jahres wird das Museum modernisiert, um Anfang 2016 in noch hellerem Glanz zu erstrahlen. Zum Zeitpunkt meines Besuchs, März 2014, hatten die Umbaumaßnahmen glücklicherweise noch nicht begonnen.
Die Bilderauswahl (mit freundlicher Genehmigung der nicht-kommerziellen Verwendung meiner gemeinfreien Aufnahmen) ist teilweise an die Qualität der Fotos angepasst, da manches zu sehr verschwommen oder verrauschtes besser auf meiner Festplatte verborgen bleibt. Jedes Gemälde ist nachfolgend mit Rahmen abgebildet, die leider sonst meist abgeschnitten sind.

Kunsthalle Altbau

Das Gebäude, ich habe nur den Altbau besucht, ist ein schöner Ziegelbau, gespickt mit Skulpturen und Medaillons bekannter bildender Künstler.

Kunsthalle Altbau

Kunsthalle Altbau - Montage

Altmeister 17. Jahrhundert

Die Sammlung der Altmeister enthält viele renommierte Maler, welche mit hochwertigen Gemälden vertreten sind. Schwerpunkt, jedenfalls qualitativ, liegt hier eindeutig auf der niederländischen und flämischen Kunst des 17. Jahrhunderts. Mein Geheimfavorit ist jedoch ein mir bisher unbekannter französischer Hofmaler Königs Ludwig XVI. und Königin Marie-Antoinettes.

Kircheninterieur

Eine Spezialität der niederländischen Architekturmaler des goldenen Zeitalters war das Innenleben ihrer Kirchen. Heutzutage sind Gotteshäuser Stätten der Ruhe, Besinnung und des Gebets. Ganz anders zur damaligen Zeit. Dort war die Kirche ein Ort des Lebens, der Begegnung, des Gesprächs. Hunde liefen ohne Leine durch die heiligen Hallen und ihr Gebell wird niemand verstört haben. Bettende Menschen findet man in diesen Interieur-Bildern eher selten.

 Emanuel de Witte (um 1617 - 1692):

Emanuel de Witte - Die Oude Kerk in Amsterdam (1659)
Gerard Houckgeest (um 1600 - 1661):

Gerard Houckgeest - Der Chor der Nieuwe Kerk in Delft (1650)
Pieter Jansz. Saenredam (1597 - 1665):

Pieter Jansz. Saenredam - Die Marienkiriche in Utrecht (1638)

Porträt

Frage: Was hatten Herbert Wehner und Willy Brandt gemeinsam? Genau. Ein weißes Hemd samt dunklen Anzug. Wer zur damaligen Zeit seriös sein wollte, musste sich mit dieser Einheitstracht schmücken.

Doch auch im 17. Jahrhundert war es nicht anders. So trugen die wohlhabenden Bürger der Niederlande auf den repräsentativen Porträts die immer gleiche Oberbekleidung: Schwarzer Rock mit weißer Halskrause oder Spitzenkragen. An dieser Mode kam keiner vorbei. So auch die Maler nicht, deren Auftragsporträts hier abgebildet sind.

Anthonis van Dyck (1599 - 1641):

Anthonis van Dyck - Porträt eines Mannes (um 1619)

Juriaen Jacobsz (1624 - 1685):

Juriaen Jacobsz - Der Mathematiker Johann Adolph Tassius (1652)

Abraham Lambertsz. van der Tempel (um 1622 - 1672):

Abraham Lambertsz van der Tempel - Bildnis einer Patrizierfamilie (1672)

 

Holländischer Mischmasch

Im 17. Jahrhundert arbeiteten in den Niederlanden tausende und abertausende von Malern. Viel zu viele, um sie als Laie auch nur halbwegs zu überblicken. So habe ich die drei ersten hier abgebildeten Künstler noch nie gehört, was eher an mir, als an ihrer Qualität liegt.

Jan van Rossum (um 1630 - nach 1673):
Das Leben dieses niederländischen Künstlers liegt noch völlig im Dunkeln. Im Netz sind keine detaillierten Angaben zu seiner Person zu finden. Man kann aber auch anhand der kleinen Abbildung erkennen, dass er ein brillanter Stillleben-Maler war.

Jan van Rossum - Blumenstillleben mit Vorhang (1671)

Jacobus Vrel (Mitte 17. Jahrhundert): 
Die Darstellung des ruhigen Lebens in den kleinen niederländischen Gassen, ist, wie man zum Beispiel hier erkennen kann, typisch für den Maler Vrel.

Jacob Vrel - Läden in einer holländischen Stadt

Anthonie van Borssom (um 1630 - 1677):
Das Bild ist ein schönes Beispiel für die meisterhafte Landschaftsmalerei der Niederländer. Die Farben sind auf der Abbildung etwas zu kräftig geraten, aber noch nah an das Original angelehnt.

Anthonie van Borssom - Dünenlandschaft

Gerrit van Honthorst (1592 - 1656):
Van Honthorst ist berühmt für seine nächtlichen, von Kerzen- oder Lampenschein beleuchtete Szenen. Auf dem Gemälde der Kunsthalle überstrahlt die silberne Schüssel, des mit seinen Sklaven und Reichtümern prahlenden Königs Krösus, alles andere.  

Gerrit van Honthorst - Solon vor Krösus (1624)

Rembrandt van Rijn (1606 - 1669):
In der Hamburger Sammlung sind mehrere kleinere Rembrandts zu finden. Diese biblische Geschichte, mit ihrer göttlichen Be(Er)leuchtung und technisch feinen Umsetzung, gefiel mir am besten.

Rembrandt van Rijn - Simeon und Hannah erkennen in Jesus den Herrn (um 1627)

Altmeister 18. Jahrhundert

In der Sammlung der Hamburger Kunsthalle des 18. Jahrhunderts fristet die deutsche Bildnis-Malerei eher ein Stiefmütterchen-Dasein. Jedenfalls in meinen Augen. Denn der hier vorherrschende Klassizismus reißt nicht vom Hocker. Darum ist von deutschen Künstlern nur ein Gemälde abgebildet.
Die Italiener, vertreten unter anderem durch die weltberühmten Tiepolo und Canaletto, bieten mehr Dynamik und die Franzosen warten mit besserer Technik auf. Besonders geglänzt haben die Porträts des bisher für mich unbekannten Mosnier.

Jakob Philipp Hackert (1737 - 1807):
Dieses Bild bedient zwar alle Klischees des Klassizismus, wie Hirtenpaar, ruhige See, Fernblick, alte Bäume und Tempel. Aber es ist gut umgesetzt. Vor allem der riesige Stein rechts hatte es mir angetan. 

Jakob Philipp Hackert - Italienische Flusslandschaft (1776)

Giovanni Battista Tiepolo (1696 - 1770):
Der große Tiepolo ist ein Meister dynamisch, bewegter Szenen. Der Bildaufbau als rechtwinkliges Dreieck (von links unten hoch zu Jesus und die mächtige weiße Säule wieder runter) im Gemälde der Dornenkrönung ist nicht jeden Tag zu sehen.

Giovanni Battista Tiepolo - Dornenkrönung (um 1745 - 50)
Giovanni Battista Tiepolo - Die Opferung der Iphigenie (um 1740 - 50)

Giovanni Antonio Canal (Canaletto) (1697 - 1768):
Der die Bewunderung anziehende Löwe ist der inhaltliche Mittelpunkt dieser Szene, die vom italienischen Meister der Architekturmalerei kunstvoll umgesetzt wurde.

Giovanni Antonio Canal (Canaletto) - Motiv aus Padua (um 1756)

Sebastiano Ricci (1659 - 1734):
Vom venezianischen Barockmeister ist ein wunderbares, großformatiges Gemälde (259 × 201 cm) in der Kunsthalle zu sehen. Der Säugling Kyros sollte getötet werden, aber der Handlanger spielte nicht mit und übergab das Baby den Hirten.
Leider gibt die etwas verschwommene Abbildung nur einen unzureichenden Hinweis auf die hohe Qualität dieses Bildes.

Sebastiano Ricci - Der Knabe Cyrus bei den Hirten  (um 1707)

Jean-Honoré Fragonard (1732 - 1806):
 Auch ohne Kenntnis des Titels kann man hier den zerstreuten, in seine Gedankenwelt versunkenen Philosophen, gut erkennen.

Jean-Honoré Fragonard - Der Philosoph (um 1764)

François Boucher (1703 - 1770):
Ein typisches Bild des französischen Rokoko-Meisters. Eine heitere Gesellschaft, mit glücklich spielenden Kindern, komponiert in schwungvoller, halber U-Form. 

François Boucher - Der Angler (1759)

Joseph-François Ducq  (1763 - 1829):
Das Paar, in der für Anfang des 18. Jahrhunderts typischen Mode, ist technisch meisterhaft umgesetzt. Die Damen waren zu dieser Zeit vom engen Korsett und Drahtgestell befreit, denn nur so war eine kniende Haltung, wie auf dem Gemälde, überhaupt möglich.


Joseph-François Ducq (zugeschrieben) - Ein Paar, das Stiche betrachtet

Jean-Laurent Mosnier (1743/44 - 1808):
Das Gemälde der Frau Hudtwalker ist wunderschön gemalt und hat live und in Farbe eine faszinierende Wirkung. Es würde sich wunderbar für das Titelblatt eines Katalogs oder Buchumschlags eignen. 
Das andere Bild ist eine typische, an englische Porträts der damaligen Zeit angelehnte Pose, mit Ganzkörperfigur, ein Arm angelehnt an eine Brüstung, im Hintergrund die weite, freie Natur. Warum die schicke Dame mit ihrem rechten Zeigefinger so lasziv auf den hoch aufgerichteten Obelisken zeigt, wollen wir besser nicht weiter vertiefen.

Jean-Laurent Mosnier - Bildnis der Frau Senator Elisabeth Hudtwalcker (1798)
Jean-Laurent Mosnier - Engel Christine Westphalen (1800)

Dienstag, 23. Dezember 2014

'Ich wünschte mir' - Ausstellung

Zurück

Nach vielen Jahren hatte es mich heute mal wieder ins Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum gezogen. Damals wurde die wunderbare Ausstellung Ilja Repin und seine Malerfreunde präsentiert. Aktuell wollte ich Pissarro, dem Vater des Impressionismus, näher kommen. Ganz gelungen ist dies nicht, da meine typische Bewegung in der Ausstellung ein Schritt zurück, nicht einer nach vorne war. Und das lag nicht nur an den übereifrigen Wächterinnen, welche die Gemälde wie ihre jungen Küken hüteten.

Studienunterschiede

Die meisten Werke der Impressionisten sind bei Betrachtung aus kurzem Abstand einfach enttäuschend, wenn man nicht gerade ein besonderes Faible für groben Farbauftrag und fehlende Zeichnung hat. Es sind eben Studien, die von den Künstlern als fertig deklariert worden sind.

Dies ist im Grunde nichts verwerfliches, denn von großen Malern gibt es fantastische Studien. Bei Adolph von Menzel zum Beispiel schätze ich diese höher ein als seine vollendeten Gemälde.
So ging vor ein paar Wochen eine Menzel-Studie für 3,5 Millionen Euro über den Tisch. Rekordergebnis des kleinen Adolphs.

Adolph Menzel - Stehende Rüstungen (1866) - Gouache und Bleistift auf braunem Papier (45 x 57,9 cm)

Im Gegensatz dazu sieht man bei den meisten Impressionisten in der Nahsicht sofort, warum ihre Ergüsse der Zugang zu den Salonausstellungen verwehrt blieb. Sie waren, schlicht und einfach, im Vergleich zu ihren großen akademischen Zeitgenossen, nur zweit- oder drittklassige Maler. Vom Impressionismus beeinflusste Größen wie Sargent, Boldini oder Sorella bestätigen als Ausnahmen diese Regel.

Highlights

Von den 130 Werken Pissarros in der Ausstellung haben nur ein paar einen positiven Eindruck hinterlassen. Zwei Schneelandschaften, ein Mädchen mit Hut, ein paar Landschaftsbilder aus den 70er Jahren und ein Frühwerk in romantischer Tradition. Dann noch einzelne Ölgemälde, bei denen der pastose, kreuz und quer verteilte Auftrag eine gewisse Dynamik erzeugt, die vom langweiligen Bildinhalt ablenkt. Das war's.

Camille Pissarro - Zwei Frauen plaudern an einer Bucht, St. Thomas (1856) Öl auf Leinwand (27,7 x 41 cm)
Camille Pissarro - Straße im Schnee, Louveciennes (circa 1872) - Öl auf Leinwand (43,2 x 65.4 cm)
Camille Pissarro - Junges Mädchen, einen Strohhut tragend (1881) - Öl auf Leinwand (73,3 x 59,5 cm)
Camille Pissarro - Landschaft in der Nähe von Louveciennes (1870) - Öl auf Leinwand
Zur Verdeutlichung seines Umfelds waren einzelne Bilder anderer Künstler, meist aus der Wuppertaler Sammlung, zu sehen. Neben Durchschnittskost traten hier vor allem zwei Bilder Zandomeneghis hervor, welche mehr als die Pissarros beeindruckten. Eines der Gemälde ist ähnlich zu dem hier abgebildeten, für Zandomeneghi typischen Werk:

Federico Zandomeneghi - Die ersten Falten - Öl auf Leinwand (73 x 60 cm)

Wunschkonzert

Ich wünschte mir immer wieder, dieses oder jenes von einem anderen Künstler umgesetzt zu sehen:
  • Porträts von akademischen Malern, statt der bescheidenen Versuche Pissarros, in diesem Zweig der Malerei.
Camille Pissarro - Bäuerin (1880) - Öl auf Leinwand (73 x 60,4 cm)
William Bouguereau - Kleine Mahlzeit (1901) - Öl auf Leinwand (88,5 x 55,8 cm)
  • Hochgelobte Pariser Ansichten Pissarros sind eher einfacher Natur, was offensichtlich ist, wenn man sie mit Bérauds oder Gilberts Werken vergleicht.
Camille Pissarro - Avenue de l'Opera: Sonnenschein am Wintermorgen (1898) - Öl auf Leinwand (73 x 91.8 cm)
Victor Gabriel Gilbert - Markttag (1878) - Öl auf Leinwand (88,5 x 55,8 cm)
Jean-Georges Béraud - Boulevard Poissonniere im Regen (1885)
  • Die in der Ausstellung gezeigten Zeichnungen und Studien sind ohne Reiz, wenn man schon mal Landschaftsstudien eines Schirmer oder thematisch ähnliche Werke von Lessing gesehen hat. Leider finde ich keine Zeichnung der Ausstellung online. Deshalb hier eine, die in der Qualität den gezeigten Werken entspricht.
Ein Mann mit einem Esel im Wald
Carl Friedrich Lessing - Wasserburg (um 1838) - Bleistift und Feder (54,9 x 66,3 cm)
Camille Pissarro - Weg mit Apfelbäumen in der Nähe von Osny, Pontoise (1874) - Öl auf Leinwand (54 x 73 cm)
Oswald Achenbach - Römische Landschaft mit Pilger

Fazit

Dieses Jahr habe ich unter anderem die Staatliche Kunsthalle in Karlsruhe und die Hamburger Kunsthalle besucht. Die Eindrücke von dort sind noch zu frisch. Deshalb war die Messlatte für Pissarro wohl zu hoch, er konnte nur verlieren.

In den Sammlungen der großen Museen gehen die Impressionisten unter, da der Unterschied im Können zu den akademischen Meistern des 19. Jahrhunderts zu gewaltig ist. Meine Hoffnung war, in einer Ausstellung nur mit impressionistischen Werken, nicht von diesem Gefühl übermannt zu werden. Aber mir ist es nicht gelungen, mein Wissen über die wahren Meisterwerke der Malerei auszuschalten. Diese hatte ich immer im Hinterkopf.

Die Werke Pissarros und anderer Impressionisten wirken auf dem Monitor in kleiner Auflösung besser als in der Realität. Und das ist kein gutes Zeichen.

Kuhfladen

Ist meine Beurteilung gerecht? Vielleicht nicht ganz. Aber wenn in einem Raum Pissarros späte Zeichnungen als wahrlich meisterhafte Werke (so ähnlich war die Formulierung) angepriesen werden, und man dann auf der Wand nur ein paar dilettantische Skizzen sieht, kann ich nicht anders. Man muss nicht jeden Bullshit, wie der Engländer treffend sagen würden, glauben, nur weil er immer wieder monoton vorgekaut wird. Denn wenn Pissarro eines mit Sicherheit nicht war, dann ein Meister der Zeichenkunst.