Die Informationen hierzu habe ich dem schönen Buch: Hans-Peter Bühler: Jäger, Kosaken und polnische Reiter entnommen. Einen Einblick in dieses Buch kann man unter folgendem Link gewinnen: (kuckst du hier)
Erste Schritte
Jozef von Brandt wurde am 11. Februar 1841 als Sprössling einer mit einem Adelsprädikat geschmückten Ärztefamilie geboren. Seine Eltern zogen früh aus dem heimischen Szczebrzeszyn Lubelski ins hektischere Warschau. Leider verstarb sein Vater bald darauf und so war seine Mutter, eine musikalisch, künstlerisch begabte Frau, für die Erziehung des kleinen Jozef zuständig.
Pariser Etappe
Nachdem er sein Ausbildung am Adelsinstitut beendet hatte, reiste er Ende der 50er Jahre nach Paris, um dort nach dem Willen seines Paten, Andrzej Zamoyski, ein Ingenieurstudium zu beginnen. Jedoch war dem jungen von Brandt nach anderem zumute. Seine Liebe galt der Malerei und so schrieb er sich bald in der Ecole des Beaux Arts ein, um vom berühmten Maler Léon Cogniet zu lernen.
Öl auf Leinwand
Von Dauer war diese Begeisterung nicht, da er schon 1860 wieder heimischen Boden betrat. Viel nahm er nicht mit aus Paris. Malerisch hinterließ Cogniet keine allzu großen Spuren, einzig die in Paris geschlossene Freundschaft zu seinem Landsmann Juliuz Kossak währte ein Leben lang.
Bestimmung gefunden
Er stand an einem Wendepunkt in seinem Leben. Maler wollte er werden, aber noch war er nicht soweit, auf eigenen Beinen stehen zu können. Eine Studienreise 1860 mit seinem Freund Kossak in die Ukraine, dem ehemaligen polnischen Gebiet, sollte sein zukünftiges Schaffen stark beeinflussen. Hier wohl sog er erstmals die Eindrück auf, welche die spätere Brandt-Schule kennzeichnen sollten. Die Darstellung der rauen Steppen Vorderasiens und ihrer Bewohner. Kriegerische Kossaken, kleine Jäger und Dorfgeschichten seiner Heimat sollten sein Markenzeichen werden.
München wird's richten
Was fehlte war die notwendige malerische Meisterschaft. Der Aufbau großer Massenszenen basierend auf sauberer Zeichnung und gekonntem Kolorismus, das wollte er lernen. All dies, was man damals mit der Schule Carl Theodor von Piloty's verband.
Carl Theodor Piloty - Die Gründung der katholischen Liga durch Herzog Maximilian I von Bayern - Ausschnitt (1854)Öl auf Leinwand 379,5 x 516,5 cm
Also lag es Nahe, dass sein Freund Jozef Simmler und sein Onkel Stanislaw Lessel ihn 1862 nach München an die dortige Akademie empfohlen, welche zu dieser Zeit voll und ganz unter dem Eindruck Piloty's stand.
Gesellige Pferdemaler
Das trockene Studium an der Akademie war Jozef nicht immer geheuer und so fand er bald Aufnahme im Privatatelier Franz Adam's.
Dieses gesellige Arbeitsleben war seine Welt.
Den ganzen Tag, bis zum Abend sitze ich in meinem Atelier, so wohl fühle ich mich dort, Quaglio(Franz) arbeitet mit mir zusammen, denn allein wäre es verdrießlich.Sein Lehrmeister Adams infizierte Jozef von Brandt mit seiner Liebe für die Pferdemalerei und der im gleichen Jahr ins Nachbaratelier eingezogene Theodor Horschelt gab ihm malerisch sozusagen den Rest. Horschelt war bekannt als Reisender exotischer Länder und als Maler des wilden Kaukasus. Horschelt war ein Paradebeispiel dafür, dass man auch als im deutschen Reich lebender Maler die Geschichte anderer Ländern erfolgreich darstellen kann.
Theodor Horschelt - Rastendes Beduinenpaar mit Araberpferden (1853) Öl auf Leinwand (63,6 x 79,5 cm)
Neue Pfade
So waren alle Zutaten im Jungen von Brandt gereift und er hatte seinen Weg gefunden. Pferde samt polnischer Heimat und Geschichte. Das war es, was er malen wollte. Eigentlich natürlich für jemanden wie ihn, der auch im Ausland seine Liebe zu seiner Heimat Polen fest im Herzen trug. Jenem Polen, welches nach dreimaliger Teilung nicht mehr auf der politischen Landkarte existierte, aber an dessen glorreiche Vergangenheit Millionen Bewohner täglich dachten und sich nach einer besseren, selbständigen Zukunft sehnten.
Zum Glücke der Kunst ging dieser Samen nicht in einem langweiligen, statischen Maler des Biedermeier auf sondern in einem akademischen Maler des 19. Jahrhundert, einem großen Bildkomponisten, Meister dynamischer Handlung, Bewegung im Bilde, gewagter Perspektiven und gekonnter Farbgebung.
Erste Erfolge
Dies konnte die Welt erstmals in Ansätzen auf der Weltausstellung 1867 in Paris erkennen, als er sein großes Historienbild Großhetman Chodkiewicz von Litauen in der Schlacht von Chocim gegen die Türken ausstellte und gute Kritiken einheimste.
So schrieb der bekannte Kritiker Friedrich Pecht:
viel coloristische Begabung als reiche Phantasie in der CompositionMit diesem Bild und manch folgenden ließ er die polnische Geschichte auferstehen, um seinen Landsleuten den Stolz und das Selbstbewusstsein auf ihre Vergangenheit wiederzugeben.
Und die Erfolge stellten sich ein. 1869 in München und 1873 in Wien konnte er auf den großen Ausstellungen goldene Medaillen erringen.
Magische Anziehung
Er war nun anerkannt und besaß einen guten Ruf als Künstler und Mensch. So zog von Brandt ab den 70er Jahren unzählige polnische Maler magisch nach München und es bildete sich eine polnische Kolonie, dessen bedeutendster Kopf von Brandt selber war.
1870 folgte ein weiteres Gemälde mit großer Nationaler Bedeutung, Stefan Czarniecki bei Kolding, welches von Brandt für das Warschauer Nationalmuseum schuf. Und dies scheinbar mit Erfolg, denn die Anfragen für weitere Gemälde folgten Schritt auf Schritt. Die Museen wollten seine Bilder haben und bekamen welche. So auch 1878 die Berliner Nationalgalerie, welches sein riesiges, viereinhalb Meter breites Gemälde Befreiung der in Gefangenschaft Geratenen aufkaufte.
Kosaken kommen
Eines seiner Hauptwerke und ein Gemälde, welches am Anfang seiner Liebe der Darstellung von Kosaken steht, war das Bild aus dem Jahre 1874, Ukrainische Kosaken ins Feld ziehend, begrüßen die Steppe mit ihrem Kriegsgesang.
Öl auf Leinwand (116 x 251 cm)
Aufmerksamen Beobachtern war nicht entgangen, dass er erstmals mit dem Zusatz z Warszawy (aus Warschau) signierte, um auch im Ausland Missverständnisse zu vermeiden und als polnischer Maler angesehen zu werden. Mit diesem Werk war er scheinbar sehr zufrieden, da er es 1875 nach Wien, 1876 nach Berlin und 1878 zur Pariser Weltausstellung sandte.
Zwischen München und Polen
Jozef von Brandt war ein stolzer Pole, aber auch seinem Gastland zu ewigem Dank verpflichtet. Hier hatte er das bekommen, was ein Maler zum Leben braucht. Vermittlung der malerischen Grundlagen, Anerkennung seiner Fähigkeiten und finanziellen und beruflichen Erfolg.
So wurde ihm im Jahre 1877 die Ehrenmitgliedschaft der Akademien in München und Berlin und 1878 die Berufung als königlich, bayrischer Professor an der Kunstakademie in München angetragen und weitere Medaillen, 1876 die kleine Goldene in Berlin und 1879 die große Goldene in München folgten.
Aufgrund seiner Sommeraufenthalte in Oronsk behielt er den Kontakt zur Heimat, den er 1894 durch die Gründung der Gesellschaft zur Unterstützung polnischer Maler verstärkte. Sein Künstlerleben und Hauptatelier führte er aber weiterhin in München.
Sein Atelier war eines der, wie er selber sagte, sehenswerteren der Stadt. So berichtet ein Besucher:
Es ist geräumig, sehr malerisch, mit viel Geschmack und Phantasie eingerichtet. Zwei miteinander verbundene Arbeitsräume, ausgestattet mit Antiquitäten, Möbeln, Skulpturen, Andenken, Waffen, bildeten das eigentliche Atelier. Von dort gelangt man ins Kabinett, das wie ein Zelt gestaltet und mit Waffen, Pferdegerät, Rüstungen und ähnlichem geschmückt ist.
Gutes Niveau
Die ganz großen Erfolge blieben in den 80er Jahren aus, aber die Nachfrage nach seinen Bildern war ungebrochen.
Sogar den prestigevollen Ruf an die Krakauer Akademie als Nachfolger des großen polnischen Maler Jan Matejko's lehnte er ab, da er sich in seiner Wahlheimat so wohl fühlte.
Öl auf Leinwand (458 x 894 cm)
Letzte große Erfolge erzielte von Brandt Anfang der 90er Jahre mit großen Medaillen bei der Berliner Ausstellung 1891, welche durch Anton von Werner und dem Verein Berliner Künstler auf eigene Faust organisiert wurde, einer Auszeichnung auf der Weltausstellung in Chicago und der Verleihung verschiedener Orden (1873 den Franz-Joseph Orden, 1893 den Verdienstorden der bayrischen Krone und 1898 den Bayerischen Michaelsorden).
Viele seiner Gemälde wurden in den Jahren vor der Jahrhundertwende nach Nordamerika verkauft, weil sein Händler, die Galerie Wimmer, gute Verbindungen dorthin hatte. Auch in Frankreich hatte von Brandt ein Standbein, da er in Paris durch George Petit vertreten war.
Zeitgeist
Doch der Zeitgeist zog auch an von Brandt nicht vorüber. Dafür war er ein zu großer Könner und den aufstrebenden Dilettanten zu verdächtig. So gab es einen großen Aufschrei unter den Sezessionisten, als die Pinakothek zwei Gemälde Brandt's und Roubaud's erwarb. Wie konnte man nur diesen Schund aufkaufen. Gleiches war in Zeitungen zu lesen, welche die alten Meister verlachten und als veraltet ansahen.
Als er am 12. Juni 1915 verstarb, vergoß kaum jemand Unbeteiligter mehr in München eine Träne. Expressionismus, Futurismus und Kubismus-Müll waren die modernen Schlagworte. Den polnischen Geschichtenerzähler wollte niemand mehr sehen. Ein Schicksal, wie er es mit vielen großen Meistern dieser Zeit teilt, wie den im selben Jahr verstorbenen Anton von Werner.

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